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Sale: 479 / Post War I, Dec. 08. 2018 Lot 118001550

 
Lot description
Poesie der Destruktion. 1982.
Objekt . Nägel und weiße Farbe auf Leinwand, auf Holz.
Nicht mehr bei Honisch. Verso signiert, datiert, betitelt und bezeichnet sowie mit Richtungspfeil. 40 x 40 x 8 cm (15,7 x 15,7 x 3,1 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Norddeutschland (1983 direkt beim Künstler erworben).

"Das, was da unsere sehbare, erkennbare Wirklichkeit ist, ist auch verbunden
mit einer anderen Wirklichkeit, die wir nicht sehen. Und wenn ich darin herumstochere, mit einem Gegenstand wie mit dem Nagel, um das zu verbinden, um von beiden Wirklichkeiten zu künden, dann kann es mir auch auf eine poetische Art visuell manchmal gelingen. [..] Ich versuche, die Dinge direkt zu verzahnen, das Sagbare mit dem Unsagbaren zu verbinden und bildnerisch in die Welt zu stellen."
Günther Uecker, zit. nach: https://absolutmedien.de/film/787/Guenther+Uecker%3A+Poesie+der+Destruktion



Essay
Als Günther Uecker, der berühmte ZERO-Protagonist, im Jahre 1957 die ersten Nägel in ein monochromes Bild schlägt, setzt er eine künstlerische Entwicklung in Gang, die trotz gleichbleibenden, schlichten Materials bis heute von einer erstaunlichen Vielseitigkeit und Individualität gekennzeichnet ist. Die Verwendung des Nagels als Aktionsinstrument ist nicht nur ein kunsthistorisch bedeutender Schritt, sondern bringt auch eine Befreiung der Leinwand aus der Zweidimensionalität mit sich, die dem Kunstwerk einen haptischen, objekthaften Charakter verleiht und in Form des wechselvollen Schattenwurfes das Licht aktiv in Gestaltungsprozess mit einbezieht. Von wesentlicher Bedeutung ist für Uecker der Schaffensprozess selbst, der, fast einem Ritual vergleichbar, dem Ausführenden eine beachtliche physische und psychische Aktivität abverlangt. Von diesem schweißtreibenden Schaffensporzess verraten Ueckers minimalistische Schöpfungen jedoch kaum mehr etwas. Der Titel der Werkreihe "Poesie der Destruktion", aus der die vorliegende Arbeit ein besonders frühes Beispiel ist, greift gerade diesen vermeintlichen Gegensatz aus einem scheinbar destruktivem Schöpfungsakt und der peotischen Erscheinung der künstlerischen Schöpfung auf und verbindet auch verbal das, was spontan zunächst unvereinbar scheint. Dass der Titel dieser Werkreihe also geradezu paradigmatisch für das gesamte Schaffen Ueckers gelesen werden kann, wird auch der Auslöser dafür gewesen sein, einen erstmals 2004 ausgestrahlten Dokumentarfilm über den ZERO-Künstler Günther Uecker den Untertitel "Poesie der Destruktion" zu geben. Geradezu zwangsläufig ist der Betrachter versucht in dem Gewirr aus sich teilweise verbiegenden Nagelköpfen ein gewisse Ordnung, einen festen Rythmus erkenne zu wollen, der dieser perfekt dargebotenen Choreografie zu Grunde liegt. Nicht nur, die sich in unterschiedlichste Richtungen verbiegenden Nagelhälse, sondern auch die vereinzelt gesetzten Schlitze in die darunter liegende Leinwand sind zentraler und titelgebender Bestandteil der vorliegenden "Poesie der Destruktion", die durch ihre ausgesprochene Harmonie begeistert. [JS]
118001550
Günther Uecker
Poesie der Destruktion, 1982.
Object
Estimate:
€ 80,000 - 100,000

 
$ 93,600 - 117,000

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