242
Johann Gottfried von Herder
Eigh. Brief an Boie, 1773.
Estimate: € 3,000 / $ 3,510
242
Johann Gottfried von Herder
Eigh. Brief an Boie, 1773.
Estimate: € 3,000 / $ 3,510
Johann Gottfried Herder
Dichter, Theologe und Philosoph, 1744-1803. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Herder". Ohne Ort und Jahr [Bückeburg, um 1773]. 1 S. 20,5 : 16,5 cm.
Bedeutender, charmanter und in Versen verfaßter Brief an den Hainbündler Heinrich Christian Boie, dem er "ein Bändlein alt Volkslieder" schicken will.
Herder bedankt sich bei Boie in launigen Paarreimen für die Zusendung des neuesten Göttinger Musenalmanachs . Da das Exemplar sogleich in eine andere Hand - "sehr weiß und niedlich" - übergegangen ist, bittet er um ein zweites Exemplar. Als literarische Gegenleistung verspricht Herder etwas, das für die deutsche Literaturgeschichte von kaum zu überschätzender Bedeutung sein sollte: die Einsendung von alten "Volksliedern":
"Ein Wort, mein lieber Herr u. Freund
Ich bin nicht böse, wie Ihr meint:
hab wohl den neuen Almanach
empfang'n u. Dank dafür gemach.
Ist aber flugs ein'r andern Hand
sehr weiß und niedlich, zugewandt!
Darum bitt ich Euch ohn Beschwer
habt Ihr noch Ein'n, so schickt ihn her
sollt auch dafür, euch wieder zu laben
Ein Bändlein alt Volkslieder haben
die euch statt aller Veliks sind
Lebt wohl! - nach Hamburg guten Wind!
Mein' Frau grüßt Euch zu vielenmal
Will Dietrich den Plan general
des Mons. Court de Gebelin
mir schicken zu: so ists wohl schön.
Beitrag zur Musenreinigung
oder Poet. Blumenlese
des Jahrs 1774."
Heinrich Christian Boie (1744-1806) war als Mitbegründer des Göttinger Hainbundes und Herausgeber des Göttinger Musenalmanachs einer der wichtigsten literarischen Netzwerker seiner Zeit. Der Almanach war das Leitmedium der jungen Dichtergeneration. Herder und Boie standen in regem Austausch, und die von Herder angekündigten Volkslieder bilden die Vorläufer seiner berühmten Sammlung, die posthum als Stimmen der Völker in Liedern weltbekannt wurde.
Der am Schluß des Briefes erwähnte "Plan general" von Antoine Court de Gébelin erschien in dessen Werk Monde primitif . Mit "Dietrich" ist der bekannte Göttinger Verleger Johann Christian Dieterich (1722-1800) gemeint.
- PROVENIENZ: Aus dem Nachlaß der Familie Chalybaeus, Kiel.
LITERATUR: Ungedruckt.
A significant, charming letter, written in verse, to Heinrich Christian Boie, to whom he intends to send old folk songs. Autograph letter signed "Herder". 1 p. 20,5 : 16,5 cm. - From a North German family that has held the letter continuously.
Dichter, Theologe und Philosoph, 1744-1803. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Herder". Ohne Ort und Jahr [Bückeburg, um 1773]. 1 S. 20,5 : 16,5 cm.
Bedeutender, charmanter und in Versen verfaßter Brief an den Hainbündler Heinrich Christian Boie, dem er "ein Bändlein alt Volkslieder" schicken will.
Herder bedankt sich bei Boie in launigen Paarreimen für die Zusendung des neuesten Göttinger Musenalmanachs . Da das Exemplar sogleich in eine andere Hand - "sehr weiß und niedlich" - übergegangen ist, bittet er um ein zweites Exemplar. Als literarische Gegenleistung verspricht Herder etwas, das für die deutsche Literaturgeschichte von kaum zu überschätzender Bedeutung sein sollte: die Einsendung von alten "Volksliedern":
"Ein Wort, mein lieber Herr u. Freund
Ich bin nicht böse, wie Ihr meint:
hab wohl den neuen Almanach
empfang'n u. Dank dafür gemach.
Ist aber flugs ein'r andern Hand
sehr weiß und niedlich, zugewandt!
Darum bitt ich Euch ohn Beschwer
habt Ihr noch Ein'n, so schickt ihn her
sollt auch dafür, euch wieder zu laben
Ein Bändlein alt Volkslieder haben
die euch statt aller Veliks sind
Lebt wohl! - nach Hamburg guten Wind!
Mein' Frau grüßt Euch zu vielenmal
Will Dietrich den Plan general
des Mons. Court de Gebelin
mir schicken zu: so ists wohl schön.
Beitrag zur Musenreinigung
oder Poet. Blumenlese
des Jahrs 1774."
Heinrich Christian Boie (1744-1806) war als Mitbegründer des Göttinger Hainbundes und Herausgeber des Göttinger Musenalmanachs einer der wichtigsten literarischen Netzwerker seiner Zeit. Der Almanach war das Leitmedium der jungen Dichtergeneration. Herder und Boie standen in regem Austausch, und die von Herder angekündigten Volkslieder bilden die Vorläufer seiner berühmten Sammlung, die posthum als Stimmen der Völker in Liedern weltbekannt wurde.
Der am Schluß des Briefes erwähnte "Plan general" von Antoine Court de Gébelin erschien in dessen Werk Monde primitif . Mit "Dietrich" ist der bekannte Göttinger Verleger Johann Christian Dieterich (1722-1800) gemeint.
- PROVENIENZ: Aus dem Nachlaß der Familie Chalybaeus, Kiel.
LITERATUR: Ungedruckt.
A significant, charming letter, written in verse, to Heinrich Christian Boie, to whom he intends to send old folk songs. Autograph letter signed "Herder". 1 p. 20,5 : 16,5 cm. - From a North German family that has held the letter continuously.
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