119000462
Ernst Ludwig Kirchner
Zwei liegende Akte, Um 1909.
Chalks
Estimate:
€ 60,000 - 80,000

 
$ 69,600 - 92,800

Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
119000462
Ernst Ludwig Kirchner
Zwei liegende Akte, Um 1909.
Chalks
Estimate:
€ 60,000 - 80,000

 
$ 69,600 - 92,800

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Ernst Ludwig Kirchner
1880 - 1938

Zwei liegende Akte. Um 1909.
Schwarze und farbige Kreiden.
Links unten signiert und mit "06" vom Künstler vordatiert. 36,1 x 46,2 cm (14,2 x 18,1 in), blattgroß. [CH].

• Farbstarke Zeichnung aus dem Dresdener Atelier des Künstlers.
• Einst Teil der Sammlung von Dr. Frédéric Bauer, Davos, Kirchners Arzt, wichtigem Förderer und engem Vertrauten.
• Der weibliche Akt im Atelier zählt in diesen Jahren zu den Hauptmotiven E. L. Kirchners und der "Brücke"-Künstler.
• Mit kräftigen Farben, reduzierter Formensprache, gekonnt platzierten Umrisslinien, Schraffuren und raffinierter Spiegelung komponiert Kirchner eine besonders reizvolle, intime Szene.
• Die Zeichnung entsteht in direktem Zusammenhang mit den Gemälden "Zwei liegende Akte" und "Zwei Akte auf Teppichen" (1909, Gordon 78 + 79)
.

Die Arbeit ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Frédéric Bauer, Davos.
Sammlung Marianne und Gerhard Pinkus, New York.
Fischer Kunsthandel & Edition, Berlin (2005 vom Vorgenannten erworben, Christie's, London).
Privatsammlung Süddeutschland (vom Vorgenannten erworben).
Seitdem in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Sammlung Dr. F. Bauer, Davos, Nürnberg, 1952/1953, München, Freiburg i. Breisgau, Mannheim, Kat.-Nr. 50 (m. Abb.).
Ernst Ludwig Kirchner. Painting, Drawings and Prints, National Gallery of Art, Washington D.C., 3.5.-16.8.1992 (m. d. Titel "Fränzi and Marcella on a Sofa").

LITERATUR: Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, Stuttgart, 18. Auktion, 24.-26.11.1953, Los 1859.
Christie's, London, 23.6.2005, Los 416 (m. Abb.).

"In Wahrheit brach hier die Zukunft durch" – Atelier-Szenen und Kirchners künstlerischer Blick auf die Großstadt
Im Juni 1905 gründet E. L. Kirchner gemeinsam mit seinen Kommilitonen Erich Heckel, Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff von der Technischen Hochschule Dresden die Künstlergruppe "Brücke". Interessiert beobachten sie in dieser Zeit die künstlerischen Neuerungen innerhalb der europäischen Kunstwelt. Eine Ausstellung in der Dresdener Galerie Arnold mit über 50 Arbeiten Vincent van Goghs empfinden die jungen Künstler 1905 als absolutes Schlüsselerlebnis. Einer ihrer Professoren erläutert rückblickend, seine Studenten seien damals "außer Rand und Band“ geraten. Sie begannen "zu meinem Schrecken höchst unordentlich zu zeichnen [...]. Aber in Wahrheit brach hier die Zukunft durch [...]." (Fritz Schumacher, Stufen des Lebens. Erinnerungen eines Baumeisters, Stuttgart 1935, S. 283)

Im Atelier der "Brücke" geht es nun recht ungestüm und wenig akademisch zu: die Zeichnungen werden dynamischer und unmittelbarer aus dem Moment heraus geboren. Mittelpunkt ist dabei häufig der Mensch, insbesondere die weibliche Figur und der weibliche Akt. "In Kirchners Atelier kam man zum Arbeiten zusammen. Man hatte hier die Möglichkeit, den Akt, die Grundlage aller bildenden Kunst, in freier Natürlichkeit zu studieren. Aus dem Zeichnen auf dieser Grundlage ergab sich das allen gemeinsame Gefühl, aus dem Leben, die Anregung zum Schaffen." (E. L. Kirchner, 1913, Chronik KG Brücke, zit. nach: Fritz Bleyl und die frühen Jahre der "Brücke", Schleswig 1999, S. 19)

Kirchner findet nun völlig neue Ausdruckswege, seine unverwechselbare expressionistische Bildsprache, mit der er die damalige deutsche Kunst einer radikalen Weiterentwicklung unterwirft und mit der es ihm gelingt, seine künstlerischen Ziele, die unmittelbare und unverfälschte Wiedergabe der eigenen Wahrnehmung, des subjektiv erfahrenen Erlebnisses, fulminant und eindringlich zum Ausdruck zu bringen. So zeigen u. a. auch die hier angebotenen farbigen Zeichnungen aus dem Dresdener Atelier des Künstlers E. L. Kirchner auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens.
Neben den zahlreichen weiblichen Modellen in seinem Atelier zeichnet Kirchner im Grunde alles, was er in seinem Alltag sieht und erlebt: Straßenzüge in Dresden und später in Berlin, das geschäftige Treiben auf der Elbe, das kulturelle Geschehen in Kaufhäusern, Bars, Varietés und Tanzlokalen – Szenen einer sich verändernden Welt zwischen Tradition und moderner Gesellschaft.
Nach seinem Umzug in die aufregende Großstadt und Kulturmetropole Berlin kulminieren diese beiden, für sein bisheriges Schaffen so maßgeblichen Motive – die flirrende Großstadt und die weibliche Figur – um 1913/14 schließlich in den sog. "Straßenszenen", Kirchners wohl berühmtesten Arbeiten. [CH]






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