Sale: 604 / Rare Books, May 18. 2026 in Hamburg → Lot 425000829
425000829
Hugo Wolf
10 Briefe und 1 Postkarte m. U. an Hermann Wette. Dabei: 1 Postkarte von Detlev von Liliencron an H. Wolf (1891)., 1890-1892.
Estimate: € 10,000 / $ 11,500
Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
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Hugo Wolf
10 Briefe und 1 Postkarte m. U. an Hermann Wette. Dabei: 1 Postkarte von Detlev von Liliencron an H. Wolf (1891)., 1890-1892.
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Hugo Wolf
Komponist, 1860-1903. 10 eigenhändige Briefe mit Unterschrift und 1 eigenhändige Postkarte mit Unterschrift. Wien, Ober-Döbling, Rindbach-Ebensee und Traunkirchen 3. Nov. 1890 bis 3. August 1892. Zus. 32 1/2 Seiten (überwiegend auf Doppelblatt). 18-12 : 11,5-13 cm.
Bedeutende Brieffolge an den Kölner Arzt und Schriftsteller Hermann Wette (1857-1919; Schwiegersohn von Engelbert Hummperdinck). Dokument von Beginn und Ende ihrer engen Freundschaft, die über die Zusammenarbeit an einem Opernprojekt zerbricht.
Die Korrespondenz beginnt im November 1890 nach Wolfs Rückkehr von seiner Rheinreise, auf der er Hermann Wette kennengelernt und mit ihm Freundschaft geschlossen hatte. Die etwa gleichaltrigen Männer schätzen sich beruflich wie persönlich sehr, und beginnen gemeinsames Wirken zu planen. "Deine rauschenden Hymnen zum Lobe meiner Kunst haben mich beinah erschreckt. So starken Tabak bin ich eben nicht gewohnt; der Trank der Begeisterung wurde mir stets nur in homöopathischen Tropfen zugetrunken u. nun gießt du Lieber Wilder ganze Fässer voll Enthusiasmus über mich aus .. Daß ich an Dir einen echten u. wahren Freund gefunden wußte ich gleich, als ich Dich nur erst sah .. Wir verstehen uns!" (3. Nov. 1890)
Der Dirigent Franz Wüllner (1832-1902) erwägt, Orchesterwerke von Wolf in ein Kölner Konzertprogramm aufzunehmen; Wolf läßt ihm über Wette die Christnacht , die Hymne Dem Vaterland wie auch Teile aus der noch nicht fertigestellten Schauspielmusik zu Ibsens Drama Das Fest auf Solhaug zukommen, Wolfs erster Versuch, Bühnenmusik zu komponieren. Ferner bittet Wolf den Freund, sich bei Wüllner für seine Werke einzusetzen. - ".. Hauptsache ist u. bleibt immer nur eine Aufführung. Wenn Du durch weitere Grobheiten eine solche erzwingen kannst erlahme ja nicht darin" (26. Juli 1891).
Zwischendurch erfassen Wolf Phasen lähmender Niedergeschlagenheit. Er erlaubt dem Freund einen unverhüllten Einblick in sein Seelenleben, bezeichnet sich als geistig "wirklich Abgestorbenen", und schildert seine tiefen Selbstzweifel bis hin zur Todessehnsucht; er lebe "wie ein Thier dumpf- und fühllos in den Tag hinen .. Mit dem Componieren jedoch ist es rein aus. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen was eine Harmonie, was eine Melodie ist" (13. Aug. 1891). Die von Wolf eindringlich geschilderte Depression sollte der Beginn einer qualvollen, mehr als drei Jahre anhaltenden Schaffenskrise sein, während der kein einziges neues Lied entstand.
Wohl von Wette darauf angesprochen, äußert sich Wolf, ein großer Verehrer von Wagner, über seinen schon seit Jahren gehegten Plan, eine Oper zu komponieren. Gemeinsam macht man sich auf die Suche nach einem geeigneten Stoff. ".. Gewiß mein Bester, wäre es meine verfluchte Schuldigkeit eine Oper zu componieren, aber ohne Mehl kann man keine Semmeln backen u. ohne Text keine Oper schreiben .." (2. Aug. 1891) - Im Frühjahr 1892 schließlich fündig geworden, legt Wolf seinem Freund die Novelle El nino de bola von Pedro de Alarcon ans Herz. Der literarische Stoff begeistert Wolf, und er bittet Wette um sein Urteil über die von Goldschmidt unter dem Titel Manuel Venegas veröffentlichte Bühnenfassung. ".. Ich brauche Dir wohl nicht erst zu sagen, welches Vertrauen ich in Deinen dichterischen Rath setze u. welche Hoffnungen ich an deine hilfreiche Mitwirkung knüpfe .. Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht ein herrliches Werk zu Tage fördern" (22. Juli 1892).
Wette teilt Wolfs Meinung über die szenische Umsetzung der Novelle jedoch ganz und gar nicht; wohl mit der Hoffnung, daß Wolf ihm mit einer Bühnenbearbeitung des Textes beauftragt, und mit dem Hinweis auf seine schwierige finanzielle Lage und die Aussicht auf Tantiemen, schickt Wette ihm eine eigenen dramatische Dichtung, Elsi, die seltsame Magd zu - die Wolf mit deutlichen Worten ablehnt, " .. ich erkannte darin nicht mehr den Autor der prächtigen Windlieder, die mir noch bestens in Erinnerung geblieben. Auf Deine Operndichtung noch näher einzugehen halte ich für zwecklos da Du bei deiner vorgefaßten Meinung für dieses Werk einer Gegenvorstellung absolut unzugänglich sein dürftest. Möge jeder nach seiner Facon selig werden." Auch reagiert Wolf, der als weitestgehend freischaffender Künstler selbst Zeit seines Lebens unter Armut litt, mit Unverständnis darauf, daß Wettes "traurige pecuniäre Verhältnisse der Ausübung freier künstlerischer Thaten hemmend in den Weg treten" (27. Juli 1892).
Wette reagiert wohl verletzt; Wolfs halbherzig geäußerter Kompromißvorschlag, daß Wette ihm eine Bühnenfassung des Manuel Venegas erstellen möge ("Lassen wir also unsere Differenz wegen der Elsi bei Seite .. bist du noch gewillt u. erlaubt es dir deine kostbare Zeit", 3. Aug. 1892), unter dem Vorbehalt, daß Wolf das letzte Urteil darüber zustehe, führt zum endgültigen Bruch zwischen den einst engen Freunden. - Wettes Elsie wurde schließlich 1896 von Arnold Mendelssohn vertont. Manuel Venegas blieb mit einem Libretto von M. Hoernes (1897) ein Fragment, jedoch wurde Wolfs (einzige) Oper Der Corregidor 1896 mit großem Erfolg uraufgeführt.
Dabei: Liliencron, Detlev von, Offizier, Dichter (1844-1909). Eigenändige Postkarte mit Unterschrift an Hugo Wolf. "Ottensen bei Hamburg", 24. Juli 1891. 1 Seite. 9 : 14,5 cm. - In seinem Brief vom 2. August 1891 an H. Wette nimmt Hugo Wolf Bezug auf diese Postkarte.
Remarkable collection of letters by Wolf to poet and physician Hermann Wette (1857-1919; son-in-law to Engelbert Humperdinck). Interesting documentation of the rise and downfall of their close friendship 1890-1892, that falls apart over a collaberation on an opera project. 10 autograph letters signed and 1 autograph postcard signed. Altogether 32 1/2 pages (partly doube leaves). 18-12 : 11,5-13 cm. - 1 addition (autograph postcard signed by poet Detlev von Liliiencron to Hugo Wolf).
Komponist, 1860-1903. 10 eigenhändige Briefe mit Unterschrift und 1 eigenhändige Postkarte mit Unterschrift. Wien, Ober-Döbling, Rindbach-Ebensee und Traunkirchen 3. Nov. 1890 bis 3. August 1892. Zus. 32 1/2 Seiten (überwiegend auf Doppelblatt). 18-12 : 11,5-13 cm.
Bedeutende Brieffolge an den Kölner Arzt und Schriftsteller Hermann Wette (1857-1919; Schwiegersohn von Engelbert Hummperdinck). Dokument von Beginn und Ende ihrer engen Freundschaft, die über die Zusammenarbeit an einem Opernprojekt zerbricht.
Die Korrespondenz beginnt im November 1890 nach Wolfs Rückkehr von seiner Rheinreise, auf der er Hermann Wette kennengelernt und mit ihm Freundschaft geschlossen hatte. Die etwa gleichaltrigen Männer schätzen sich beruflich wie persönlich sehr, und beginnen gemeinsames Wirken zu planen. "Deine rauschenden Hymnen zum Lobe meiner Kunst haben mich beinah erschreckt. So starken Tabak bin ich eben nicht gewohnt; der Trank der Begeisterung wurde mir stets nur in homöopathischen Tropfen zugetrunken u. nun gießt du Lieber Wilder ganze Fässer voll Enthusiasmus über mich aus .. Daß ich an Dir einen echten u. wahren Freund gefunden wußte ich gleich, als ich Dich nur erst sah .. Wir verstehen uns!" (3. Nov. 1890)
Der Dirigent Franz Wüllner (1832-1902) erwägt, Orchesterwerke von Wolf in ein Kölner Konzertprogramm aufzunehmen; Wolf läßt ihm über Wette die Christnacht , die Hymne Dem Vaterland wie auch Teile aus der noch nicht fertigestellten Schauspielmusik zu Ibsens Drama Das Fest auf Solhaug zukommen, Wolfs erster Versuch, Bühnenmusik zu komponieren. Ferner bittet Wolf den Freund, sich bei Wüllner für seine Werke einzusetzen. - ".. Hauptsache ist u. bleibt immer nur eine Aufführung. Wenn Du durch weitere Grobheiten eine solche erzwingen kannst erlahme ja nicht darin" (26. Juli 1891).
Zwischendurch erfassen Wolf Phasen lähmender Niedergeschlagenheit. Er erlaubt dem Freund einen unverhüllten Einblick in sein Seelenleben, bezeichnet sich als geistig "wirklich Abgestorbenen", und schildert seine tiefen Selbstzweifel bis hin zur Todessehnsucht; er lebe "wie ein Thier dumpf- und fühllos in den Tag hinen .. Mit dem Componieren jedoch ist es rein aus. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen was eine Harmonie, was eine Melodie ist" (13. Aug. 1891). Die von Wolf eindringlich geschilderte Depression sollte der Beginn einer qualvollen, mehr als drei Jahre anhaltenden Schaffenskrise sein, während der kein einziges neues Lied entstand.
Wohl von Wette darauf angesprochen, äußert sich Wolf, ein großer Verehrer von Wagner, über seinen schon seit Jahren gehegten Plan, eine Oper zu komponieren. Gemeinsam macht man sich auf die Suche nach einem geeigneten Stoff. ".. Gewiß mein Bester, wäre es meine verfluchte Schuldigkeit eine Oper zu componieren, aber ohne Mehl kann man keine Semmeln backen u. ohne Text keine Oper schreiben .." (2. Aug. 1891) - Im Frühjahr 1892 schließlich fündig geworden, legt Wolf seinem Freund die Novelle El nino de bola von Pedro de Alarcon ans Herz. Der literarische Stoff begeistert Wolf, und er bittet Wette um sein Urteil über die von Goldschmidt unter dem Titel Manuel Venegas veröffentlichte Bühnenfassung. ".. Ich brauche Dir wohl nicht erst zu sagen, welches Vertrauen ich in Deinen dichterischen Rath setze u. welche Hoffnungen ich an deine hilfreiche Mitwirkung knüpfe .. Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht ein herrliches Werk zu Tage fördern" (22. Juli 1892).
Wette teilt Wolfs Meinung über die szenische Umsetzung der Novelle jedoch ganz und gar nicht; wohl mit der Hoffnung, daß Wolf ihm mit einer Bühnenbearbeitung des Textes beauftragt, und mit dem Hinweis auf seine schwierige finanzielle Lage und die Aussicht auf Tantiemen, schickt Wette ihm eine eigenen dramatische Dichtung, Elsi, die seltsame Magd zu - die Wolf mit deutlichen Worten ablehnt, " .. ich erkannte darin nicht mehr den Autor der prächtigen Windlieder, die mir noch bestens in Erinnerung geblieben. Auf Deine Operndichtung noch näher einzugehen halte ich für zwecklos da Du bei deiner vorgefaßten Meinung für dieses Werk einer Gegenvorstellung absolut unzugänglich sein dürftest. Möge jeder nach seiner Facon selig werden." Auch reagiert Wolf, der als weitestgehend freischaffender Künstler selbst Zeit seines Lebens unter Armut litt, mit Unverständnis darauf, daß Wettes "traurige pecuniäre Verhältnisse der Ausübung freier künstlerischer Thaten hemmend in den Weg treten" (27. Juli 1892).
Wette reagiert wohl verletzt; Wolfs halbherzig geäußerter Kompromißvorschlag, daß Wette ihm eine Bühnenfassung des Manuel Venegas erstellen möge ("Lassen wir also unsere Differenz wegen der Elsi bei Seite .. bist du noch gewillt u. erlaubt es dir deine kostbare Zeit", 3. Aug. 1892), unter dem Vorbehalt, daß Wolf das letzte Urteil darüber zustehe, führt zum endgültigen Bruch zwischen den einst engen Freunden. - Wettes Elsie wurde schließlich 1896 von Arnold Mendelssohn vertont. Manuel Venegas blieb mit einem Libretto von M. Hoernes (1897) ein Fragment, jedoch wurde Wolfs (einzige) Oper Der Corregidor 1896 mit großem Erfolg uraufgeführt.
Dabei: Liliencron, Detlev von, Offizier, Dichter (1844-1909). Eigenändige Postkarte mit Unterschrift an Hugo Wolf. "Ottensen bei Hamburg", 24. Juli 1891. 1 Seite. 9 : 14,5 cm. - In seinem Brief vom 2. August 1891 an H. Wette nimmt Hugo Wolf Bezug auf diese Postkarte.
Remarkable collection of letters by Wolf to poet and physician Hermann Wette (1857-1919; son-in-law to Engelbert Humperdinck). Interesting documentation of the rise and downfall of their close friendship 1890-1892, that falls apart over a collaberation on an opera project. 10 autograph letters signed and 1 autograph postcard signed. Altogether 32 1/2 pages (partly doube leaves). 18-12 : 11,5-13 cm. - 1 addition (autograph postcard signed by poet Detlev von Liliiencron to Hugo Wolf).
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