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123000203
Willi Baumeister
Phantom mit roter Figur, 1953.
Oil
Estimate:
€ 250,000 - 350,000

 
$ 290,000 - 406,000

Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
123000203
Willi Baumeister
Phantom mit roter Figur, 1953.
Oil
Estimate:
€ 250,000 - 350,000

 
$ 290,000 - 406,000

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Willi Baumeister
1889 - 1955

Phantom mit roter Figur. 1953.
Öl mit Kunstharz auf Hartfaserplatte.
Links unten signiert und datiert "9 53". Verso signiert, datert, betitelt und mit den Maßangaben bezeichnet. 53,5 x 81 cm (21 x 31,8 in). In Original-Künstlerleiste. [JS].

PROVENIENZ: Sammlung Klaus Gebhard, München.
Privatssammlung Rheinland (1990 vom Vorgenannten erworben, seither in Familienbesitz).

AUSSTELLUNG: Willi Baumeister, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, 23.1.-21.2.1954, Kat.-Nr. 182.

LITERATUR: Peter Beye, Felicitas Baumeister, Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde, Bd. II, Ostfildern 2002, WVZ-Nr. 1932 (m. Abb.).
Will Grohmann, Willi Baumeister. Leben und Werk, Köln 1963, S. 137, WVZ-Nr. 1477 (m. Abb. S. 234, unter dem Titel "Phantom mit roter Figur I").

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ - in diesen Worten Paul Klees drückt sich auch Baumeisters Grundhaltung aus aus: er arbeitet nicht nach, sondern wie die Natur . Sein Werk ist Ausdruck einer Gestaltung, die ihren Sinn in sich selbst trägt, und die - wenn überhaupt, nur so als Schöpfung bestimmt werden kann.“
(Peter Beye/Tilman Osterwold, Willi Baumeister >Das Unbekannte in der Kunst<, in: Willi Baumeister, Ausst. Kat. Württembergischer Kunstverein 1979, S. 9)

Mit „Phantom mit roter Figur“ hat Willi Baumeister 1953 eine herausragende Komposition von musealer Qualität geschaffen, die seine zentrale Stellung innerhalb der internationalen Nachkriegsabstraktion exemplarisch verdeutlicht. Das großformatige Gemälde gehört zu jener reifen Werkphase, in der Baumeister zu seiner heute als charakteristisch geltenden, archaisch anmutenden Formsprache vordringt, deren Zentrum fortan stets eine dominante schwarze oder weiße Fläche bildet und die lediglich noch in vereinzelten Elementen figürliche Assoziationen beim Betrachter in Gang setzt. Es sind diese äußerst kraftvollen Kompositionen seiner letzten Werkreihen Werkreihen „Phantom“, „Montaru“ und „Monturi“ welche Baumeister eine Platz unter den gefeierten Protagonisten der europäischen Nachkriegsavantgarde sichern und bis heute als seine international gefragtesten Schöpfungen gelten.
Während Baumeisters am Schaffen des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer und des bedeutenden französischen Kubisten Fernand Leger orientiertes Frühwerk noch bis in die 1930er Jahre – wenn auch stark abstrahiert - der Figur verpflichtet bleibt, beschreitet der Künstler fortan den Weg hin zu einer reinen Abstraktion, die nur noch in sehr vereinzelten Elementen und maximal zu zeichenhaften Bildkürzeln verdichtet – wie auch im vorliegenden Fall – mit gegenständlichen Assoziationen spielt. „Idiogramme“, „Eidos“ und „Afrikanisch“ lauten unter anderem die Titel jener Werkreihen, mit deren Hilfe Baumeister in den 1930er und 1940er Jahren den erfolgreichen Weg hin zu seinen reifen Kompositionen der frühen 1950er Jahre beschreitet. Die kleine und qualitativ herausragende „Phantom“- Werkreihe nimmt innerhalb Baumeisters Schaffen eine zentrale Schlüsselrolle ein, denn es sind diese insgesamt acht Kompositionen, welche mit ihren dominanten schwarzen Formgebilden die zentralen Kompositionsprinzipien der anschließenden, zwischen 1953 und 1955 entstehenden Werkfolgen „Montaru“, „Monturi“ und „ARU“ in entscheidender Weise vorbereiten. Willi Baumeister, der 1952 seine erste ameriaknische Einzelausstellung in der Hacker Gallery in New York zeigt und im folgenden zu den Künstlern der renommierten Kleeman Galleries, New York, zählt, einem der bedeutendsten Vertreter europäischer Nachkriegsavantgarde auf dem amerikanischen Markt, befindet sich Anfang der 1950er Jahre auf seinem künstlerischen Höhepunkt. Gemälde der für die europäische Avantgarde bedeutenden Werkreihen „Phantom“, „Montaru“, „Monturi“ und „ARU“ sind heute Teil zahlreicher internationaler Museumssammlungen, wie u.a. des Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid (Schwarzes Phantom, 1952), des Sprengel Museum Hannover (Montaru 1, 1953), des Milwaukee Art Museum (u.a. Montaru 2, 1953), der Nationalgalerie Berlin (Montaru 8, 1953, und ARU 5, 1955) und des Museum of Modern Art, New York (ARU 6, 1955).
Die herausragende Komposition von „Phantom mit roter Figur“ hat Baumeister u.a. auch noch in einer kleineren Gemäldeversion ausgeführt. Dieses Gemälde mit dem Titel „Phantom mit Rot“ (Beye/Baumeister 1933) wurde 2016 von uns äußerst erfolgreich in eine bedeutende deutsche Privatsammlung mit zentralen Positionen der europäischen Moderne veräußert. In entscheidender Weise visionär ist hier die kraftvoll zu den Rändern hin ausgreifende, schwebende und metaphysisch anmutende, tief schwarze „Phantom“-Form, die auch in den nachfolgenden Werkfolgen zu Baumeisters zentralem Kompositionsprinzip wird: „Das Schwarz überwiegt in den letzten Serien. Es überzieht dabei zunehmend von der Mitte aus die Bildfläche und drängt die peripheren Farbformen immer stärker an den Rand – alsNicht-Farbe überzieht es die Farbe schlechthin, nämlich die Primärfarben Rot, Gelb, Blau in der Hauptsache. Dennoch behalten auch diese Großformen ihren mythisch-wesenhaften Charakter bei: Die „Montaru“-Flächen haben noch häufig die „Phantom“-Augen, die „Aru“-Form ist gestisch-gestalthaft. Der Mythos als einzige große Leerform: Die späten Serien ziehen in der Tat die Summe des gesamten Oeuvres.“ (Willi Baumeister, Ausst. Kat. Württembergischer Kunstverein, Stuttgart 1979, S. 24). [JS]





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