126000171
Francis Picabia
Manucode, 1929.
Oil on canvas
Estimate:
€ 1,000,000 - 1,500,000

 
$ 1,160,000 - 1,740,000

Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
126000171
Francis Picabia
Manucode, 1929.
Oil on canvas
Estimate:
€ 1,000,000 - 1,500,000

 
$ 1,160,000 - 1,740,000

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Francis Picabia
1879 - 1953

Manucode. 1929.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert. Links oben betitelt. 100 x 81 cm (39,3 x 31,8 in). [JS].

• Komplex & sinnlich - "Manucode": Meisterwerk des Surrealismus.
• Traumartige Erkundung des Unterbewusstseins: aus Picabias kurzer, ikonischer Schaffensphase der „Transparences“ (1928-1931).
• Unschuld/Schönheit/Liebe/Sünde: Virtuose Zitate von Botticellis „Geburt der Venus" bis zu Hieronymus Boschs "Garten der Lüste“.
• Herausragende Provenienz: 1929 Geschenk des Künstlers an seine Tochter Jeanine und bis 1977 im Besitz der Familie.
• Umfangreiche Ausstellungshistorie: u.a. bereits 1970 in der Einzelausstellung im Solomon Guggenheim Museum, New York.
• Museale Qualität: Arbeiten aus dieser wichtigen Schaffensphase befinden sich in internatonalen Museumssammlungen, u.a. im Museum of Modern Art, New York, und in der Tate Modern, London
.

PROVENIENZ: Gabrielle-Cécile „Jeanine“ Martinez-Picabia, verh. Bailly-Cowell (1913–1977), Tochter des Künstlers (1929 von diesem als Geschenk zum 16. Geburtstag erhalten).
Sammlung Patrick Bailly-Cowell, Paris (Enkel des Künstlers, von der Vorgenannten erhalten, bis 1977).
Galerie Neuendorf, Hamburg (spätestens 1980, bis 1984).
Privatsammlung Norddeutschland.

AUSSTELLUNG: Francis Picabia. 5 tableaux et 60 dessins. Transparences - Surimpressions, Galerie Colette Allendy, Paris, 30.5.–23.6.1947.
491, 50 ans de plaisirs, Galerie René Drouin, Paris, 4.3.–26.3.1949, Nr. 52.
Marcel Duchamp, Francis Picabia, Rose Fried Gallery, New York, 7.12.1953–8.1.1954.
Picabia vu en transparence, Galerie Mona Lisa, Paris, Nov.–Dez. 1961, Nr. 38 (m. S/W-Abb.).
Picabia, Musée Cantini, Marseille, 20.3.–15.5.1962, Nr. 51.
Francis Picabia, The Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 17.9.–6.12.1970, Nr. 93 (m. S/W-Abb.).
Francis Picabia: mezzo secolo di Avanguardia, Galleria Civica d'Arte Moderna, Turin, 28.11.1974–2.2.1975, Kat.-Nr. 60 (m. S/W-Abb.).
Francis Picabia, Galeries Nationales d'Exposition du Grand Palais, Paris, 23.1.–29.3.1976, Kat.-Nr. 187 (m. S/W-Abb.).
Francis Picabia, Galerie Michael Werner, Köln, 14.3.–15.4.1980; Galerie Springer, Berlin, 18.4.–17.5.1980; Galerie Neuendorf, Hamburg, 20.5.–20.6.1980; Galerie Fred Jahn, München, 24.6.–23.7.1980), Kat.-Nr. 5 (m. Abb.).
Francis Picabia, Städtische Kunsthalle, Karlsruhe, 29.10.–4.12.1983; Kunsthaus Zürich, 3.2.–25.3.1984; Moderna Museet, Stockholm, 7.4.–27.5.1984, Kat.-Nr. 92 (m. S/W-Abb.) (verso mit dem Etikett, Kunsthaus Zürich).

LITERATUR: William A. Camfield/Beverley Calté/Candace Clements, Francis Picabia catalogue raisonné, vol. 3: 1927–1939, Brüssel 2019, WVZ-Nr. 1106 (m. Abb.).
Maria Lluïsa Borràs, Picabia, Barcelona 1985, 699 (m. S/W-Abb.).
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Magie des extrêmes, Brügge 1952, S. 62.
Roger Caratini, Encyclopédie thématique universelle, t. IV, 1973, S. 177.
Importants tableaux modernes, sculptures, vente Palais d'Orsay, Paris, 9. Juni 1977, Los 17.
Jörg Johnen, Francis Picabia, Galerie Michael Werner/Galerie Springer/Galerie Neuendorf/Galerie Fred Jahn, in: Das Kunstwerk. Zeitschrift für Moderne Kunst, Bd. 33,Heft 4, 1980, S. 85-86 (m. S/W-Abb.).
Art Index, Bd. 29, New York 1982, S. 718.
Christa Murken-Altrogge, Axel Hinrich Murken, "Prozesse der Freiheit" vom Expressionismus bis zur soul and body art, Köln 1985, S. 127 (m. Abb.).
Christa Murken-Altrogge, Axel Hinrich Murken, Von der Avantgarde bis zur Postmoderne. Die Malerei des 20. Jahrhunderts, München 1991, S. 105 (m. Abb.).
Patricia Pate Havlice , World Painting Index: Titles of works and their painters, Lanham 1995, S. 1496.

"Diese Transparences mit ihren versteckten Winkeln ermöglichen es mir, mich ganz nach meinen inneren Regungen auszudrücken […] Ich möchte ein Gemälde, in dem all meine Instinkte freien Lauf nehmen können."
Francis Picabia, 1930 (Vorwort zu Ausstellung in der Léonce Rosenberg Gallery)

Dadaismus/Surrealismus - Francis Picabia: Radikaler Visionär der Pariser Avantgarde
"Picasso war zwar zwei Jahre jünger als Picabia, doch blieb er in vielerlei Hinsicht der altmodischere Künstler von beiden. [...]." (Kat. Kunsthaus Zürich / Museum of Modern Art, New York, 2016, S. 14.). Mit diesen Worten hat Anne Umland, Kuratorin des Museum of Modern Art, New York, anlässlich der großen Picabia Retrospektive im Jahr 2016/17 die nahezu verstörende Progressivität Picabias auf den Punkt gebracht, welche sogar die außergewöhnliche Innovations- und Strahlkraft eines Pablo Picasso in den Schatten stellt. Und so gibt es wohl kaum ein Zitat, das programmatischer für Picabias unangepasstes, vom Kubismus über den Dadaismus und Surrealismus bis hin zu den fotobasierten Gemälden der 1940er Jahre reichendes Gesamtœuvre stehen könnte, als sein eigener Aphorismus aus der Dada-Zeit: "Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann." Und Picabias Denken wechselt mehrfach radikal die Richtung und bringt auf diese Weise immer wieder von neuem hoch progressive Ergebnisse hervor. Und so ist es gerade die enorme Wandelbarkeit, die Picabias Œuvre in besonderer Weise auszeichnet, ein Schaffen, das kaum stilistische oder mediale Grenzen kennt und gleichermaßen provoziert und verblüfft. Seine Anfänge liegen im Kubismus: In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg entstehen Gemälde, die Picabias damalige Nähe zu dem zwei Jahre jüngeren Picasso bezeugen, dessen lebenslanges Bekenntnis zur gegenständlichen Malerei Picabias künstlerische Experimentierfreudigkeit jedoch schon bald weit hinter sich lassen sollte. 1913 ist Picabia bereits mit insgesamt vier Gemälden aus der Werkphase des orphischen Kubismus auf der legendären Armory Show in New York unter anderem neben Arbeiten von Pablo Picasso, Henri Matisse, Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Marcel Duchamp vertreten.
Picabia wird 1879 in Frankreich als Sohn eines kubanischen Aristokraten und einer Französin aus der wohlhabenden Bourgeoisie geboren, bald schon ist er nicht nur als Künstler, sondern auch als dadaistischer Schriftsteller und für seine Liebe zu schnellen Autos und attraktiven Frauen bekannt. Nach Ende des Ersten Weltkriegs folgen Picabias avantgardistische Dada-Jahre, in denen er in Paris neben Duchamp mit Collagen, Material- und Schriftbildern einen völlig neuen, von den Fesseln jeglicher Tradition befreiten Kunstbegriff propagiert. Picabias teils großformatige, assoziative Schriftbilder dieser Zeit, die auch collagierte und gemalte Elemente integrieren, wirken auf den heutigen Betrachter geradezu wie frühe Vorläufer der völlig freien und unbekümmerten Schöpfungen des amerikanischen Street-Art-Künstlers Jean-Michel Basquiat.

Picabias „Transparences“ (1928-1931) – Ikonen des Surrealismus
Ende der 1920er Jahre beginnt Picabia dann schließlich mit seiner berühmten Werkreihe der „Transparences“(1928-1931), in deren traumartig-surreal anmutenden Szenerien sich in verschiedene Bildebenen gestaffelt zu einem komplexen optischen Sinneseindruck überlagern und die heute zu den ikonischen Schöpfungen des Surrealismus zählen. Erneut fordert Picabia damit unsere überkommenen Sehgewohnheiten heraus und hat, inspiriert durch das freie und assoziative Wortspiel der dadaistischen Dichtung und den zeitgenössischen Entdeckungen in Film und Fotografie, ein weiteres Mal radikal Neues geschaffen. Indem sich verschiedene Szenerien gleich transparenter Film-Negative in der Tiefe des Bildraumes übereinander schieben, gelingt es Picabia mehrere Motive, Erinnerungen oder Fragmente assoziativ übereinander zu blenden und damit in einer emotional hoch verdichteten Szenerie synchron erfahrbar zu machen. 1930, kurz nach Entstehen des vorliegenden Gemäldes hat Picabia selbst das besondere Vermögen seiner „Transparences“ wie folgt beschrieben: „Diese Transparenzen mit ihren versteckten Winkeln ermöglichen es mir, mich ganz nach meinen inneren Regungen auszudrücken […] Ich möchte ein Gemälde, in dem all meine Instinkte freien Lauf nehmen können.“ (übersetzt aus dem franz. n.: Francis Picabia, Vorwort zur Ausstellung in der Galerie Léonce Rosenberg, Dezember 1930).
Picabia vollzieht Ende der 1920er Jahren den kunsthistorisch heute so bedeutenden Schritt vom Dadaismus zum Surrealismus, der 1924 durch Andre Bretons „Manifest des Surrealismus“ initiiert in Paris seinen Anfang nimmt. Von Sigmund Freuds Psychoanalyse beeinflusst beginnen neben Francis Picabia vor allem Max Ernst und Salvador Dali, die heute allesamt zu den Protagonisten dieser bedeutenden Kunstströmung zählen, ihre malerischen Erkundungen in das menschliche Unterbewusstsein und avancierten auf diese Weise in den späten 1920er Jahren zu den revolutionären und treibenden Kräften der Pariser Avantgarde.

„Manucode“ im Kontext von Botticelli, Bosch und Rousseau: Surrealistisches Sinnbild des Lebens zwischen Unschuld und Verlangen
Aber welche Untiefen und Abgründe seines Unterbewusstseins hat Francis Picabia sich in der vorliegenden Komposition mit dem rätselhaften Titel „Manucode“ um 1929 von der Seele gemalt, in der sich dramatisch rankende Pflanzenteile, ein zu einer surralen Kreatur deformiertes, fliegendes Herz, zwei Vögel und die schwarze Kontur eines weiblichen Gesichtes mit scheinbar ziellos in die Ferne gerichteten, großen Augen vor einem sich in endlose Tiefe weitenden Blau virtuos zu einem surreal-rätselhaften Ganzen verweben? Hochkomplex ist es Picabia in jenem Bild, das er seiner Tochter Gabrielle-Cécile, genannt „Jeanine“ zu ihrem 16. Geburtstag schenkt, gelungen seine tiefe innere Emotions- und Gedankenwelt, seinen eigenen Blick auf das Leben und die Liebe, verschmolzen mit seinen Ängsten, Wünschen und Hoffnungen für seine in ein selbstständiges Leben aufbrechenden Tochter auf die Leinwand zu bannen. „Manucode“ ist ein hoch persönliches Bild, das motivisch – wie auch die anderen Gemälde der zahlenmäßig kleinen aber kunsthistorisch so herausragenden Werkfolge der „Transperances“ – motivisch aus Zitaten nach berühmten Gemälden der Kunstgeschichte, allem voran der italienischen Renaissance schöpft. Kein geringers Vorbild als Botticellis weltberühmtes Gemälde der „Geburt der Venus“ (1485, Galleria degli Uffizi, Florenz) bildet den kompositorischen Ausgangspunkt für Picabias „Manucode“, dessen geheimnisvoller Titel vermutlich auf den Namen der exotischen Paradiesvögel (Manucodia) mit ihrem schwarz schillernden Gefieder verweist. Es ist der sanft nach links geneigte Kopf, der sinnlich in die Ferne schweifende Blick und die vollen Lippen von Botticellis Venus, der Göttin der Liebe und der Schönheit, die in Botticellis Gemälde der antiken Mythologie entsprechend in all ihrer berauschenden Schönheit im Meeresschaum aus einer Muschel geboren an Land geweht wird. Dahinter eine gelbe Herzform, die sich nach unten hin in eine fantastische Kreatur auflöst, die durch ihre Haltung und den gebogenen Schwanz Assoziationen an eine chamälionartige Echsenfom hervorruft und die als ein Hinweis auf die Wandlungsfähigkeit unserer Emotionen und die Unbeständigkeit unseres Herzens gelesen werden kann. Und in einer weiteren Überblendung, die formal an die experimentelle filmische Überschneidung von Negativen erinnert, ein auf den Titel der Arbeit Bezug nehmendes Vogelpaar, zwei Paradiesvögel, wie sie ausgehend von Hieronymus Boschs berühmtem „Garten der Lüste“ (1490/1500) in zahlreichen Darstellung des Garten Eden, etwa in Jan Breughels d.Ä. und Peter Paul Rubens „Paradies und Sündenfall“ (um 1615, Mauritshuis, Den Haag) innerhalb der noch in paradiesischer Unschuld und Harmonie zusammenlebenden Mensch- und Tierwelt in Erscheinung treten. Picabias reichhaltige Inspirationen reichen hier von Bosch, der den Surrealisten mit seinen phantastischen und erstmals das Unterbewusste zu Tage befördernden Malerei als eine Art Ur-Vater des Surrealismus galt, bis hin zu Henri Rousseau und seinem berühmten letzten Gemälde „Der Traum“ (1910, Museum of Modern Art, New York), dessen fantastischen Malerei von den Surrealisten ebenso tief bewundert wurde und heute als einer ihrer wichtigsten Vorreiter gilt. Aber aller Schönheit, Liebe und Harmonie wohnt wie auch im Paradies immer die Gefahr eines plötzlichen Endes inne, jene Urangst vor Endlichkeit, Verlangen und Verderben, die der aufgeschreckt flatternde Paradiesvogel zur linken, die aus dem Herzen erwachsende Kreatur und die sich gleich einer Schlange durch den Bildraum windenden Pflanzenteile auf virtuose Weise zum Ausdruck bringen.

Picabia war nicht nur ein besonders innovativer Künstler, sondern Zeit seines Lebens auch ein den Frauen und der Liebe verfallener Lebemann, dessen eigene emotionale Verstrickungen sich gerade zur Entstehungszeit Ende der 1920er Jahre auf ihrem absoluten Höhepunkt befinden: Picabia ist um die Fünfzig und offiziell noch bis 1930 mit seiner Frau Gabrielle verheiratet, mit der er neben „Jeanine“, der er das vorliegende Gemälde schenkt, noch drei weitere gemeinsame Kinder hat. Seit 1925 allerdings wohnt der Künstler bereits mit seiner neuen Geliebten Germaine Everling, die er 1917 im Kontext der Pariser Dadaisten kennen gelernt hatte, und mit dem gemeinsamen kleinen Sohn im Chateau de Mai oberhalb von Cannes in Mougins. Aber auch diese neue Liebe war zur Entstehungszeit des vorliegenden Gemäldes bereits wieder an ihr Ende gekommen, da Picabia erneut seinem Verlangen nachgegeben und mit dem jungen schweizer Kindermädchen Olga Mohler eine Affäre begonnen hatte, die kurz nach der offiziellen Scheidung von Gabrielle im Jahr 1933 schließlich auch zur endgültigen Trennung von Germaine führen sollte. Picabia zieht daraufhin mit Olga, die ihn fortan bis zu seinem Tod begleiten sollte, auf seine neue Jacht „Horizon II“, die im Hafen von Cannes vor Anker liegt. Mit „Manucode“ also gewährt uns Francis Picabia einen besonders tiefen und fesselnden Blick in sein aufgewühltes Unterbewusstsien sowie in das menschliche Seelenleben im allgemeinen, beherrscht von Hoffnungen und Ängsten und zutiefst gefangen zwischen Unschuld, Schönheit, Liebe, Verlangen und Sünde. [JS]





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