Sale: 611 / Day Sale, Dec. 05. 2026 in Munich → Lot 126001075

126001075
Max Beckmann
Simson und Delila, 1912.
Oil on canvas
Estimate:
€ 80,000 - 120,000
$ 92,800 - 139,200
Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
126001075
Max Beckmann
Simson und Delila, 1912.
Oil on canvas
Estimate:
€ 80,000 - 120,000
$ 92,800 - 139,200
Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
Max Beckmann
1884 - 1950
Simson und Delila. 1912.
Öl auf Leinwand.
70,5 x 85,5 cm (27,7 x 33,6 in).
Max Beckmann führt das Gemälde, an dem er im Frühling und Sommer 1912 arbeitet, in seinem Bilderverzeichnis unter der Nr. 123 auf.
Eine Bleistiftzeichnung und eine Federzeichnung aus demselben Jahr werden in der Literatur als Modellstudien für die Delila bezeichnet (einst Sammlung Reinhard Piper, München, siehe Barbara und Erhard Göpel, Max Beckmann. Katalog der Gemälde, Bd. 1, Bern 1976, S. 114).
Das Gemälde bezieht sich in Komposition und Motiv zudem auf die 1911 erschienene gleichnamige Lithografie (Gallwitz 15). [CH]
Weitere Werke aus der Sammlung Kropatscheck kommen in unserem Evening Sale am Freitag, den 4. Dezember 2026, in unserer Auktion „Wertvolle Bücher“ am Montag, dem 23. November 2026, sowie in unserem Online Sale vom 15. Januar bis zum 15. Februar 2027 zum Aufruf.
• Künstlerischer Durchbruch: In seinem Frühwerk findet Max Beckmann ab 1905 mit offener, zunächst impressionistischer Malweise und akademischen Sujets schließlich zu seiner eigenständigen Bildsprache.
• Von Peter Paul Rubens bis Frank Auerbach: Die alttestamentarische Erzählung von Simson und Delila ist in der Kunstgeschichte ein seit Jahrhunderten tradiertes Bildmotiv.
• Bereits 1916 erstmals mit Abbildung publiziert, heute mit umfangreicher Literatur- und Ausstellungsliste.
• 1928 Teil der ersten umfassenden Beckmann-Retrospektive (Kunsthalle Mannheim).
• Ab dem Entstehungsjahr bis zu dessen Tod im Besitz des Münchener Verlegers Reinhard Piper, mit dem Max Beckmann eine enge Freundschaft verbindet.
• Beckmanns frühe, vor dem Ersten Weltkrieg entstandene Werke sind in bedeutenden musealen Sammlungen vertreten, darunter das Städel Museum, Frankfurt am Main, die Berlinische Galerie, Berlin, das St. Louis Art Museum und das Los Angeles County Museum of Art.
PROVENIENZ: Sammlung Reinhard Piper (1879-1953), München (1912 direkt vom Künstler erworben).
Privatsammlung (1953 durch Erbschaft vom Vorgenannten, bis 1976, Hauswedell & Nolte).
Galerie Pels-Leusden, Berlin.
Sammlung Jan A. Ahlers, Herford.
Douglas & Nash, Frankfurt a. Main/New York (2001 erworben).
Sammlung Fritz Eugen und Hannemarie Kropatscheck, Hamburg (2007 vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: Kunstsalon Paul Cassirer, Berlin, XV. Jahrgang, Erste Ausstellung, 24.10.-2.12.1912, Kat.-Nr. 3.
Max Beckmann. Das gesammelte Werk (Gemälde, Graphik, Handzeichnungen aus den Jahren 1905-1927), Städtische Kunsthalle, Mannheim, 19.2.-1.4.1928 [verlängert bis 10.4.1928], Kat.-Nr. 30.
Max Beckmann. Die frühen Bilder, Kunsthalle Bielefeld, 26.9.-21.11.1982; Städel Museum, Frankfurt am Main, 28.1.-17.4.1983, Kat.-Nr. 63 (m. SW-Abb., S. 112).
Der deutsche Impressionismus, Kunsthalle Bielefeld, 22.11.2009-28.2.2010, S. 174f. (m. Farbabb., S. 175).
Max Beckmann. weiblich – männlich, Hamburger Kunsthalle, 25.9.2020-24.1.2021 [verlängert bis 14.3.2021], S. 166f. u. S. 266, Kat.-Nr. 8 (m. Farbabb., S. 167).
Kunsthalle Hamburg (Dauerleihgabe aus der Sammlung Kropatscheck, 2020-2026).
LITERATUR: Anja Tiedemann, Kaldewei Kulturstiftung (Hrsg.), Werkverzeichnis Max Beckmann - Catalogue Raisonné der Gemälde, Frankfurt a. Main, Online-WVZ-Nr. 155.
Barbara und Erhard Göpel, Max Beckmann. Katalog der Gemälde, Bd. 1, Bern 1976, WVZ-Nr. 155 (m. Abb., Tafel 60).
Benno Reifenberg u. Wilhelm Hausenstein, Max Beckmann, München 1949, Nr. 136.
Curt Glaser, Julius Meier-Graefe, Wilhelm Fraenger u. Wilhelm Hausenstein, Max Beckmann, München 1924, Bilderverzeichnis, S. 76, Zeile 13.
Hans Kaiser, Max Beckmann, Berlin 1913, Bilderliste, Nr. 125.
- -
Reinhard Piper, Das Liebespaar in der Kunst, München 1916, S. 162 (m. Abb., S. 160).
Reinhard Piper, Nachmittag. Erinnerungen eines Verlegers, München 1950, S. 13f. (m. Abb.).
Friedhelm W. Fischer, Der Maler Max Beckmann, Köln 1972, S. 23 und passim.
Hauswedell & Nolte, Hamburg, 214. Auktion, Moderne Kunst, 2.-4.6.1976, Los 88 (m. Farbabb., S. 35).
Ernst-Gerhard Güse, Das Frühwerk Max Beckmanns. Zur Thematik seiner Bilder aus den Jahren 1904-1914 (Diss.) Bern/Frankfurt a. Main 1977.
Karl & Faber, München, Kunst. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik alter und neuer Meister, 25.11.1983, Los 699 (m. Farbabb., Tafel 17, m. d. Titel "Samson und Delila").
Fritz Erpel, Max Beckmann. Leben im Werk - Die Selbstbildnisse, München 1985.
Max Beckmann Archiv u. Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann. Briefe an Reinhard Piper, München 1994, S. 10f. (m. SW-Abb., S. 11).
Bernhard Echte und Walter Feilchenfeldt (Hrsg.), "Eine neue Klassik": Kunstsalon Paul Cassirer. Die Ausstellungen 1912-1914, Wädenswil 2016.
1884 - 1950
Simson und Delila. 1912.
Öl auf Leinwand.
70,5 x 85,5 cm (27,7 x 33,6 in).
Max Beckmann führt das Gemälde, an dem er im Frühling und Sommer 1912 arbeitet, in seinem Bilderverzeichnis unter der Nr. 123 auf.
Eine Bleistiftzeichnung und eine Federzeichnung aus demselben Jahr werden in der Literatur als Modellstudien für die Delila bezeichnet (einst Sammlung Reinhard Piper, München, siehe Barbara und Erhard Göpel, Max Beckmann. Katalog der Gemälde, Bd. 1, Bern 1976, S. 114).
Das Gemälde bezieht sich in Komposition und Motiv zudem auf die 1911 erschienene gleichnamige Lithografie (Gallwitz 15). [CH]
Weitere Werke aus der Sammlung Kropatscheck kommen in unserem Evening Sale am Freitag, den 4. Dezember 2026, in unserer Auktion „Wertvolle Bücher“ am Montag, dem 23. November 2026, sowie in unserem Online Sale vom 15. Januar bis zum 15. Februar 2027 zum Aufruf.
• Künstlerischer Durchbruch: In seinem Frühwerk findet Max Beckmann ab 1905 mit offener, zunächst impressionistischer Malweise und akademischen Sujets schließlich zu seiner eigenständigen Bildsprache.
• Von Peter Paul Rubens bis Frank Auerbach: Die alttestamentarische Erzählung von Simson und Delila ist in der Kunstgeschichte ein seit Jahrhunderten tradiertes Bildmotiv.
• Bereits 1916 erstmals mit Abbildung publiziert, heute mit umfangreicher Literatur- und Ausstellungsliste.
• 1928 Teil der ersten umfassenden Beckmann-Retrospektive (Kunsthalle Mannheim).
• Ab dem Entstehungsjahr bis zu dessen Tod im Besitz des Münchener Verlegers Reinhard Piper, mit dem Max Beckmann eine enge Freundschaft verbindet.
• Beckmanns frühe, vor dem Ersten Weltkrieg entstandene Werke sind in bedeutenden musealen Sammlungen vertreten, darunter das Städel Museum, Frankfurt am Main, die Berlinische Galerie, Berlin, das St. Louis Art Museum und das Los Angeles County Museum of Art.
PROVENIENZ: Sammlung Reinhard Piper (1879-1953), München (1912 direkt vom Künstler erworben).
Privatsammlung (1953 durch Erbschaft vom Vorgenannten, bis 1976, Hauswedell & Nolte).
Galerie Pels-Leusden, Berlin.
Sammlung Jan A. Ahlers, Herford.
Douglas & Nash, Frankfurt a. Main/New York (2001 erworben).
Sammlung Fritz Eugen und Hannemarie Kropatscheck, Hamburg (2007 vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: Kunstsalon Paul Cassirer, Berlin, XV. Jahrgang, Erste Ausstellung, 24.10.-2.12.1912, Kat.-Nr. 3.
Max Beckmann. Das gesammelte Werk (Gemälde, Graphik, Handzeichnungen aus den Jahren 1905-1927), Städtische Kunsthalle, Mannheim, 19.2.-1.4.1928 [verlängert bis 10.4.1928], Kat.-Nr. 30.
Max Beckmann. Die frühen Bilder, Kunsthalle Bielefeld, 26.9.-21.11.1982; Städel Museum, Frankfurt am Main, 28.1.-17.4.1983, Kat.-Nr. 63 (m. SW-Abb., S. 112).
Der deutsche Impressionismus, Kunsthalle Bielefeld, 22.11.2009-28.2.2010, S. 174f. (m. Farbabb., S. 175).
Max Beckmann. weiblich – männlich, Hamburger Kunsthalle, 25.9.2020-24.1.2021 [verlängert bis 14.3.2021], S. 166f. u. S. 266, Kat.-Nr. 8 (m. Farbabb., S. 167).
Kunsthalle Hamburg (Dauerleihgabe aus der Sammlung Kropatscheck, 2020-2026).
LITERATUR: Anja Tiedemann, Kaldewei Kulturstiftung (Hrsg.), Werkverzeichnis Max Beckmann - Catalogue Raisonné der Gemälde, Frankfurt a. Main, Online-WVZ-Nr. 155.
Barbara und Erhard Göpel, Max Beckmann. Katalog der Gemälde, Bd. 1, Bern 1976, WVZ-Nr. 155 (m. Abb., Tafel 60).
Benno Reifenberg u. Wilhelm Hausenstein, Max Beckmann, München 1949, Nr. 136.
Curt Glaser, Julius Meier-Graefe, Wilhelm Fraenger u. Wilhelm Hausenstein, Max Beckmann, München 1924, Bilderverzeichnis, S. 76, Zeile 13.
Hans Kaiser, Max Beckmann, Berlin 1913, Bilderliste, Nr. 125.
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Reinhard Piper, Das Liebespaar in der Kunst, München 1916, S. 162 (m. Abb., S. 160).
Reinhard Piper, Nachmittag. Erinnerungen eines Verlegers, München 1950, S. 13f. (m. Abb.).
Friedhelm W. Fischer, Der Maler Max Beckmann, Köln 1972, S. 23 und passim.
Hauswedell & Nolte, Hamburg, 214. Auktion, Moderne Kunst, 2.-4.6.1976, Los 88 (m. Farbabb., S. 35).
Ernst-Gerhard Güse, Das Frühwerk Max Beckmanns. Zur Thematik seiner Bilder aus den Jahren 1904-1914 (Diss.) Bern/Frankfurt a. Main 1977.
Karl & Faber, München, Kunst. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik alter und neuer Meister, 25.11.1983, Los 699 (m. Farbabb., Tafel 17, m. d. Titel "Samson und Delila").
Fritz Erpel, Max Beckmann. Leben im Werk - Die Selbstbildnisse, München 1985.
Max Beckmann Archiv u. Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann. Briefe an Reinhard Piper, München 1994, S. 10f. (m. SW-Abb., S. 11).
Bernhard Echte und Walter Feilchenfeldt (Hrsg.), "Eine neue Klassik": Kunstsalon Paul Cassirer. Die Ausstellungen 1912-1914, Wädenswil 2016.
Seinen ganz persönlichen Stil entwickelt Max Beckmann in der Auseinandersetzung mit den modernen künstlerischen Tendenzen seiner Zeit, u. a. auch mit dem Impressionismus. Wie in diesem Gemälde beschäftigt sich Beckmann in seinen frühen Berliner Schaffensjahren häufig mit religiösen bzw. biblischen Motiven, die er dramatisch in Szene setzt und so seine bereits von Erfolg gekrönte Virtuosität zum Ausdruck bringt, darunter auch "Adam und Eva" (1907, zerstört), "Beweinung" (1908, Hamburger Kunsthalle), "Kreuzigung Christi" (1909, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt), "Ausgießung des Heiligen Geistes" (1909, vernichtet), "David und Bathseba" (1910), "Christus verkündet seinen letzten Aufbruch nach Jerusalem" (1910, Kunstmuseum Moritzburg, Halle/Saale), "Kreuztragung" (1910, Hamburger Kunsthalle) oder "Judith und Holofernes" (1912).
Die alttestamentarische Geschichte von Simson und Delila (Buch der Richter, XVI) ist seit Jahrhunderten ein tradiertes Bildmotiv in der europäischen Kunstgeschichte. Der Herrscher Simson, berüchtigt für seine übermenschliche Kraft, verliebt sich in Delila vom Stamm der Philister. Delila entlockt Simson das Geheimnis seiner Stärke: sein ungeschnittenes Haar. Sie verrät ihn und Simson wird von den Philistern, die sich hier bereits anzupirschen scheinen, überwältigt. Ihm wird der Kopf geschoren und er selbst wird, seiner Kraft beraubt, zum Sklaven gemacht. In seiner Darstellung zeigt Beckmann den Moment, in dem die verführerische Delila die noch im Schatten verborgenen Philister erblickt, während sie den Geliebten vertraut mit ihrer Hand berührt. Auf dem Tisch ist ihr Lohn zu sehen: ein prall gefüllter Geldbeutel, das Symbol für ihren Verrat.
Beckmanns frühe, vor dem Ersten Weltkrieg entstandene Werke befinden sich heute in bedeutenden internationalen musealen Sammlungen, darunter das mpk Museum Pfalzgalerie, Kaiserslautern, das Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg, das Kunstmuseum Moritzburg, Halle/Saale, die Kunsthalle Bremen, das Von der Heydt-Museum, Wuppertal, das Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, das Städel Museum, Frankfurt am Main, die Pinakothek der Moderne der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München, die Hamburger Kunsthalle, die Berlinische Galerie, Berlin, das St. Louis Art Museum und das Los Angeles County Museum of Art.
Die Sammlung Reinhard Piper
Bereits 1912, im Entstehungsjahr des Gemäldes, gelangt das Werk in die Sammlung des Münchener Verlegers Reinhard Piper (1879–1953), in der es bis zu dessen Tod verbleibt. Piper hatte 1904 den bis heute existierenden Verlag R. Piper & Co. gegründet [heute Piper Verlag]. Schon seit seiner Jugend ist Piper vielseitig interessiert. Neben Literatur und Philosophie beschäftigt er sich insbesondere mit Musik und bildender Kunst, besucht Museen, Galerien und Künstlerateliers. Um 1900 begegnet er dem Bildhauer Ernst Barlach, mit dem ihn schließlich eine lebenslange Freundschaft verbindet. Später steht er auch Franz Marc, Wassily Kandinsky bzw. der Künstlergruppe 'Blauer Reiter' nahe und verlegt deren 1912 erscheinenden Almanach. Im selben Jahr lernt Piper auch Max Beckmann kennen und erwirbt das hier angebotene Gemälde, direkt aus dem Atelier des Künstlers in Berlin-Hermsdorf.
"Im Sommer 1912 hatte ich mit meiner Frau und unserm kleinen Klaus einige Wochen in Ostpreußen verbracht. [...] Auf der Rückreise [...] wollte ich den Maler Max Beckmann kennenlernen, dessen Bilder in der Berliner Secession mir aufgefallen waren. Er wohnte nicht in dem satten Berlin W, sondern in Hermsdorf, einem Vorort im Norden der Stadt. Sein Atelierhaus, Ringstraße 8, war ein einfacher, viereckiger, weißgetünchter Kasten mitten in den Kiefem. Er steht noch heute. Beckmann trat mir als großer, blonder, breitschultriger Mann entgegen mit mächtigem Schädel und mächtigem Kinn [...]. Da stand er, umgeben von seinen großen Bildern. Es waren offensichtlich Malereien eines vom Mysterium des Lebens tief Ergriffenen [...]. Von den kleineren Bildern sprach mich vor allem 'Simson und Delila' an. Das Paar sitzt in grünlichem Mondschein auf einer Terrasse. Simson, hintenübergelehnt, träumt in die Nacht hinaus. In seinem Profil steckt etwas von Beckmann selbst. Es ist der Augenblick vor der Katastrophe. Delila winkt den geduckt heranschleichenden Kriegem. Das Bild ist schön in Farbe, Komposition und Stimmung. Ich gab mir einen Ruck und kaufte es. Ich hatte das Bedürfnis, mit Beckmann in Verbindung zu bleiben [...]. Auch zwei sehr durchgeführte Modellstudien zur 'Delila' fügte ich hinzu und später noch die Lithographie der gleichen Komposition [...], so daß ich alle Dokumente zu diesem Bild bei mir vereinigte. Ich bat ihn dann auch noch um einen Umschlag zu meinem nächsten Verlagskatalog. Ich wollte diesem damit einen besonderen künstlerischen Stempel geben. [...]. Sehr befriedigt fuhr ich abends nach Berlin zurück. [...] Auf der Heimfahrt nach München blieb mir der Atelierbesuch das am stärksten nachwirkende Berliner Erlebnis. Ich spürte: es war ein Anfang gemacht, aus dem sich noch manches entwickeln konnte." (Reinhard Piper, 1964, zit. nach: Max Beckmann Archiv u. Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann. Briefe an Reinhard Piper, München 1994, S. 10)
In den darauffolgenden Jahren entwickelt sich zwischen Künstler und Sammler ein näheres Verhältnis, eine Freundschaft, die heute in einer Vielzahl von Briefen nachvollzogen werden kann (1994 publiziert). Piper erwirbt in dieser Zeit, bis zu seinem Tod im Jahr 1953, fünf Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen und Druckgrafiken Max Beckmanns und in seinem Verlag erscheinen zwei wichtige Publikationen über den Künstler. Beckmann wiederum malt drei Porträts des befreundeten Verlegers und beteiligt sich mit schriftlichen Beiträgen an mehreren Publikationen des Verlags. 1922 schreibt Beckmann Piper: "Ich weiß wohl, dass nur sehr wenige meine Bilder so sehen, wie ich es möchte. Sie aber sehen sie so." (Max Beckmann in einem Brief vom 4.12.1922, zit. nach: ebd., S. 28)
1936 sehen sich Piper und Beckmann das letzte mal, bald darauf emigriert der Künstler aufgrund der politischen Verhältnisse nach Amsterdam und später in die Vereinigten Staaten. [CH]
Die alttestamentarische Geschichte von Simson und Delila (Buch der Richter, XVI) ist seit Jahrhunderten ein tradiertes Bildmotiv in der europäischen Kunstgeschichte. Der Herrscher Simson, berüchtigt für seine übermenschliche Kraft, verliebt sich in Delila vom Stamm der Philister. Delila entlockt Simson das Geheimnis seiner Stärke: sein ungeschnittenes Haar. Sie verrät ihn und Simson wird von den Philistern, die sich hier bereits anzupirschen scheinen, überwältigt. Ihm wird der Kopf geschoren und er selbst wird, seiner Kraft beraubt, zum Sklaven gemacht. In seiner Darstellung zeigt Beckmann den Moment, in dem die verführerische Delila die noch im Schatten verborgenen Philister erblickt, während sie den Geliebten vertraut mit ihrer Hand berührt. Auf dem Tisch ist ihr Lohn zu sehen: ein prall gefüllter Geldbeutel, das Symbol für ihren Verrat.
Beckmanns frühe, vor dem Ersten Weltkrieg entstandene Werke befinden sich heute in bedeutenden internationalen musealen Sammlungen, darunter das mpk Museum Pfalzgalerie, Kaiserslautern, das Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg, das Kunstmuseum Moritzburg, Halle/Saale, die Kunsthalle Bremen, das Von der Heydt-Museum, Wuppertal, das Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, das Städel Museum, Frankfurt am Main, die Pinakothek der Moderne der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München, die Hamburger Kunsthalle, die Berlinische Galerie, Berlin, das St. Louis Art Museum und das Los Angeles County Museum of Art.
Die Sammlung Reinhard Piper
Bereits 1912, im Entstehungsjahr des Gemäldes, gelangt das Werk in die Sammlung des Münchener Verlegers Reinhard Piper (1879–1953), in der es bis zu dessen Tod verbleibt. Piper hatte 1904 den bis heute existierenden Verlag R. Piper & Co. gegründet [heute Piper Verlag]. Schon seit seiner Jugend ist Piper vielseitig interessiert. Neben Literatur und Philosophie beschäftigt er sich insbesondere mit Musik und bildender Kunst, besucht Museen, Galerien und Künstlerateliers. Um 1900 begegnet er dem Bildhauer Ernst Barlach, mit dem ihn schließlich eine lebenslange Freundschaft verbindet. Später steht er auch Franz Marc, Wassily Kandinsky bzw. der Künstlergruppe 'Blauer Reiter' nahe und verlegt deren 1912 erscheinenden Almanach. Im selben Jahr lernt Piper auch Max Beckmann kennen und erwirbt das hier angebotene Gemälde, direkt aus dem Atelier des Künstlers in Berlin-Hermsdorf.
"Im Sommer 1912 hatte ich mit meiner Frau und unserm kleinen Klaus einige Wochen in Ostpreußen verbracht. [...] Auf der Rückreise [...] wollte ich den Maler Max Beckmann kennenlernen, dessen Bilder in der Berliner Secession mir aufgefallen waren. Er wohnte nicht in dem satten Berlin W, sondern in Hermsdorf, einem Vorort im Norden der Stadt. Sein Atelierhaus, Ringstraße 8, war ein einfacher, viereckiger, weißgetünchter Kasten mitten in den Kiefem. Er steht noch heute. Beckmann trat mir als großer, blonder, breitschultriger Mann entgegen mit mächtigem Schädel und mächtigem Kinn [...]. Da stand er, umgeben von seinen großen Bildern. Es waren offensichtlich Malereien eines vom Mysterium des Lebens tief Ergriffenen [...]. Von den kleineren Bildern sprach mich vor allem 'Simson und Delila' an. Das Paar sitzt in grünlichem Mondschein auf einer Terrasse. Simson, hintenübergelehnt, träumt in die Nacht hinaus. In seinem Profil steckt etwas von Beckmann selbst. Es ist der Augenblick vor der Katastrophe. Delila winkt den geduckt heranschleichenden Kriegem. Das Bild ist schön in Farbe, Komposition und Stimmung. Ich gab mir einen Ruck und kaufte es. Ich hatte das Bedürfnis, mit Beckmann in Verbindung zu bleiben [...]. Auch zwei sehr durchgeführte Modellstudien zur 'Delila' fügte ich hinzu und später noch die Lithographie der gleichen Komposition [...], so daß ich alle Dokumente zu diesem Bild bei mir vereinigte. Ich bat ihn dann auch noch um einen Umschlag zu meinem nächsten Verlagskatalog. Ich wollte diesem damit einen besonderen künstlerischen Stempel geben. [...]. Sehr befriedigt fuhr ich abends nach Berlin zurück. [...] Auf der Heimfahrt nach München blieb mir der Atelierbesuch das am stärksten nachwirkende Berliner Erlebnis. Ich spürte: es war ein Anfang gemacht, aus dem sich noch manches entwickeln konnte." (Reinhard Piper, 1964, zit. nach: Max Beckmann Archiv u. Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann. Briefe an Reinhard Piper, München 1994, S. 10)
In den darauffolgenden Jahren entwickelt sich zwischen Künstler und Sammler ein näheres Verhältnis, eine Freundschaft, die heute in einer Vielzahl von Briefen nachvollzogen werden kann (1994 publiziert). Piper erwirbt in dieser Zeit, bis zu seinem Tod im Jahr 1953, fünf Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen und Druckgrafiken Max Beckmanns und in seinem Verlag erscheinen zwei wichtige Publikationen über den Künstler. Beckmann wiederum malt drei Porträts des befreundeten Verlegers und beteiligt sich mit schriftlichen Beiträgen an mehreren Publikationen des Verlags. 1922 schreibt Beckmann Piper: "Ich weiß wohl, dass nur sehr wenige meine Bilder so sehen, wie ich es möchte. Sie aber sehen sie so." (Max Beckmann in einem Brief vom 4.12.1922, zit. nach: ebd., S. 28)
1936 sehen sich Piper und Beckmann das letzte mal, bald darauf emigriert der Künstler aufgrund der politischen Verhältnisse nach Amsterdam und später in die Vereinigten Staaten. [CH]
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