Sale: 612 / Evening Sale, Dec. 04. 2026 in Munich → Lot 126000938

126000938
Karl Hofer
Sitzende mit Buch, Um 1937.
Oil on canvas
Estimate:
€ 90,000 - 120,000
$ 104,400 - 139,200
Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
126000938
Karl Hofer
Sitzende mit Buch, Um 1937.
Oil on canvas
Estimate:
€ 90,000 - 120,000
$ 104,400 - 139,200
Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
Karl Hofer
1878 - 1955
Sitzende mit Buch. Um 1937.
Öl auf Leinwand.
100 x 70 cm (39,3 x 27,5 in). [AW].
• Eindringliches Mädchenporträt von außergewöhnlich delikater Farbigkeit.
• Karl Hofers melancholische Frauengestalten gehören zu den gefragtesten Werken des Künstlers.
• Arbeiten Hofers befinden sich in zahlreichen bedeutenden öffentlichen Sammlungen, bspw. im Museum Folkwang, Essen, dem Museum Ludwig, Köln, und der National Gallery of Canada, Ottawa.
• Seit fast 60 Jahren im selben Familienbesitz.
PROVENIENZ: Privatsammlung Wien.
Privatsammlung Berlin (1968 vom Vorgenanten erworben, Galerie Wolfgang Ketterer).
Seitdem in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Kunst aus Krefelder Sammlungen in Haus Greiffenhorst 1904-1974, Krefelder Kunstverein, Krefeld, 20.10.-20.11.1974, Kat.-Nr. 60 (m. Abb.; dat. ca. 1932).
LITERATUR: Karl Bernhard Wohlert (Bearb.), Markus Eisenbeis (Hrsg.), Karl Hofer. Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. 2, Köln 2008, WVZ-Nr. 1301 (m. SW-Abb. S. 247).
- -
Galerie Wolfgang Ketterer, München, 1. Auktion, 17.5.1968, Los 409 (m. SW-Abb. S. 103; dat. um 1925).
"Mädchen und junge Frauen allein, zu zweien, in Gruppen, in der Natur, im Raum, am Fenster, mit Pflanzen und Blumen, stehend, sitzend, liegend – all diese Variationen bilden Motive, die für das malerische Werk Karl Hofers typischer nicht sein könnten."
Karl-Heinz Weis, Karl Hofers Mädchen mit Blumen, in: Ausst.-Kat. Karl Hofer. Von Lebensspuk und stiller Schönheit, Hamburg 2012, S. 114.
1878 - 1955
Sitzende mit Buch. Um 1937.
Öl auf Leinwand.
100 x 70 cm (39,3 x 27,5 in). [AW].
• Eindringliches Mädchenporträt von außergewöhnlich delikater Farbigkeit.
• Karl Hofers melancholische Frauengestalten gehören zu den gefragtesten Werken des Künstlers.
• Arbeiten Hofers befinden sich in zahlreichen bedeutenden öffentlichen Sammlungen, bspw. im Museum Folkwang, Essen, dem Museum Ludwig, Köln, und der National Gallery of Canada, Ottawa.
• Seit fast 60 Jahren im selben Familienbesitz.
PROVENIENZ: Privatsammlung Wien.
Privatsammlung Berlin (1968 vom Vorgenanten erworben, Galerie Wolfgang Ketterer).
Seitdem in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Kunst aus Krefelder Sammlungen in Haus Greiffenhorst 1904-1974, Krefelder Kunstverein, Krefeld, 20.10.-20.11.1974, Kat.-Nr. 60 (m. Abb.; dat. ca. 1932).
LITERATUR: Karl Bernhard Wohlert (Bearb.), Markus Eisenbeis (Hrsg.), Karl Hofer. Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. 2, Köln 2008, WVZ-Nr. 1301 (m. SW-Abb. S. 247).
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Galerie Wolfgang Ketterer, München, 1. Auktion, 17.5.1968, Los 409 (m. SW-Abb. S. 103; dat. um 1925).
"Mädchen und junge Frauen allein, zu zweien, in Gruppen, in der Natur, im Raum, am Fenster, mit Pflanzen und Blumen, stehend, sitzend, liegend – all diese Variationen bilden Motive, die für das malerische Werk Karl Hofers typischer nicht sein könnten."
Karl-Heinz Weis, Karl Hofers Mädchen mit Blumen, in: Ausst.-Kat. Karl Hofer. Von Lebensspuk und stiller Schönheit, Hamburg 2012, S. 114.
In den frühen 1920er-Jahren entwickelt Karl Hofer eine unverwechselbare Bildsprache, die sein Werk bis 1945 prägt. Die impressionistischen Einflüsse treten zurück, an ihre Stelle rückt eine strengere, der Neuen Sachlichkeit nahestehende Formensprache. Die bereits zu Beginn des neuen Jahrhunderts in Rom entstandenen Aktdarstellungen formt Hofer zu einem Figurentypus weiter, der sein gesamtes Schaffen bestimmen wird.
Schon früh kristallisieren sich Motive heraus, die sich beständig wiederholen: Frauengruppen am Meer, Liebespaare und immer wieder Mädchenfiguren mit Pflanzen, Früchten oder einem Buch, sitzend oder stehend am Fenster. In diesen Bildern spiegelt sich Hofers Sehnsucht nach unberührter Schönheit, die er in zahllosen Variationen immer weiter verfeinert. Hier äußert sich "sein Streben nach Klassizität, nach der Darstellung ungestörten Einsseins von Mensch und Natur am reinsten [...]. Die Erotik dieser Mädchen- und Paarbilder ist äußerst spröde, Nacktheit erscheint zu selbstverständlich, um verführerisch zu sein. Es sind pflanzenhafte, zerbrechliche Geschöpfe, die Hofer malt, sinnend und zumeist passiv. [.]" (Renate Hartleb, Karl Hofer, Leipzig 1987, S. 35)
Ein weiteres zentrales Motiv sind die Frauenbildnisse mit Buch oder Zeitung. Entrückt und in sich gekehrt wirken Hofers Figuren, umgeben von leiser Melancholie. Sie verharren in vollkommener Ruhe, ohne den Blick des Betrachters zu suchen oder zu erwidern. Ablenkende Details fehlen bewusst, erzählerische Gestik vermeidet Hofer konsequent. So entsteht eine Konzentration auf die Hauptfigur, die – isoliert vor dunklem Hintergrund – zur alleinigen Bildaussage wird. Charakteristisch sind die markanten Physiognomien: das spitze Kinn, die prägnante Nase, die mondförmigen Augen. Gerade dieses Detail verleiht den Figuren eine bezaubernde Entrücktheit, wofür die "Sitzende mit Buch" ein besonders anziehendes Beispiel liefert.
Das Werk entsteht 1937, in einer von Umbrüchen gezeichneten Zeit. Im selben Jahr werden rund 400 Arbeiten Hofers im Rahmen der Aktion "Entartete Kunst" aus Museen und öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt. 1943 zerstören Bombenangriffe sein Berliner Atelier, etwa 150 Gemälde und mehrere Skizzenbücher gehen verloren. Vor diesem Hintergrund gewinnt die fein gearbeitete, träumerische "Sitzende mit Buch" von 1937 eine ganz besondere Bedeutung. [AW]
Schon früh kristallisieren sich Motive heraus, die sich beständig wiederholen: Frauengruppen am Meer, Liebespaare und immer wieder Mädchenfiguren mit Pflanzen, Früchten oder einem Buch, sitzend oder stehend am Fenster. In diesen Bildern spiegelt sich Hofers Sehnsucht nach unberührter Schönheit, die er in zahllosen Variationen immer weiter verfeinert. Hier äußert sich "sein Streben nach Klassizität, nach der Darstellung ungestörten Einsseins von Mensch und Natur am reinsten [...]. Die Erotik dieser Mädchen- und Paarbilder ist äußerst spröde, Nacktheit erscheint zu selbstverständlich, um verführerisch zu sein. Es sind pflanzenhafte, zerbrechliche Geschöpfe, die Hofer malt, sinnend und zumeist passiv. [.]" (Renate Hartleb, Karl Hofer, Leipzig 1987, S. 35)
Ein weiteres zentrales Motiv sind die Frauenbildnisse mit Buch oder Zeitung. Entrückt und in sich gekehrt wirken Hofers Figuren, umgeben von leiser Melancholie. Sie verharren in vollkommener Ruhe, ohne den Blick des Betrachters zu suchen oder zu erwidern. Ablenkende Details fehlen bewusst, erzählerische Gestik vermeidet Hofer konsequent. So entsteht eine Konzentration auf die Hauptfigur, die – isoliert vor dunklem Hintergrund – zur alleinigen Bildaussage wird. Charakteristisch sind die markanten Physiognomien: das spitze Kinn, die prägnante Nase, die mondförmigen Augen. Gerade dieses Detail verleiht den Figuren eine bezaubernde Entrücktheit, wofür die "Sitzende mit Buch" ein besonders anziehendes Beispiel liefert.
Das Werk entsteht 1937, in einer von Umbrüchen gezeichneten Zeit. Im selben Jahr werden rund 400 Arbeiten Hofers im Rahmen der Aktion "Entartete Kunst" aus Museen und öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt. 1943 zerstören Bombenangriffe sein Berliner Atelier, etwa 150 Gemälde und mehrere Skizzenbücher gehen verloren. Vor diesem Hintergrund gewinnt die fein gearbeitete, träumerische "Sitzende mit Buch" von 1937 eine ganz besondere Bedeutung. [AW]
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