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126000004
Georg Baselitz
Enddesign, 2011.
Oil
Estimate:
€ 550,000 - 750,000

 
$ 632,500 - 862,500

Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
126000004
Georg Baselitz
Enddesign, 2011.
Oil
Estimate:
€ 550,000 - 750,000

 
$ 632,500 - 862,500

Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
 

Georg Baselitz
1938

Enddesign. 2011.
Öl und Goldbronze auf Leinwand.
400 x 300 cm (157,4 x 118,1 in).

• Dürer/Friedrich/Baselitz: mit diesem monumentalen Werk reiht Baselitz sich in die Tradition der großen Meister der Kunstgeschichte.
• Remix & Adaption: radikale Neubewertung seiner wichtigen Fraktur-Bilder der 1960er Jahre inspiriert von Dürers ikonischer „Melencolia I“.
• Zeichnerische Spontaneität, Dripping und Dynamik in beeindruckendem Format.
• Von der Gagosian Gallery, New York, in eine bedeutende New Yorker Privatsammlung.
• Große Überblickschauen zuletzt in der Fondation Beyeler, Basel (2018), dem Centre Pompidou, Paris (2021/22), dem Kunsthistorische Museum, Wien (2023) und dem White Cube, London (2024)
.

PROVENIENZ: Gagosian Gallery, New York.
Privatsammlung New York (2012 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Gagosian Gallery, New York, Georg Baselitz, 28.2. - 7.4.2012.

LITERATUR: John-Paul Stonard, Georg Baselitz: Paris, Potsdam, New York, The Burlington Magazine, New York 2012, S. 366-367 (m. Abb., hier unter dem Titel "Enddesign").
Georg Baselitz/Robert Fleck, Georg Baselitz. New paintings and sculpture, New York 2012, S. 25–27 (hier unter dem Titel "Enddesign").
“If you're remixing popular music you change the rhythm or the sound.. I have thought for a long time about what to call what I do. I like the word "remix" because it comes from youth culture.”
Georg Baselitz, zit. nach: Guggenheim Museum Bilbao (https://www.guggenheim-bilbao.eus/en/exhibition/remix/)
„This idea of “looking toward the future” is nonsense. I realized that simply going backwards is better. You stand in the rear of the train—looking at the tracks flying back below—or you stand at the stern of a boat and look back—looking back at what’s gone.“
Georg Baselitz, zit. nach: Gagosian Gallery, New York (https://gagosian.com/artists/georg-baselitz/)

Monumental, technisch perfekt und inhaltlich hoch verdichtet: Baselitz Gemälde „Enddesign“ ist ein künstlerischer Paukenschlag, der scheinbar mühelos und spontan den Bogen über mehr als fünfhundert Jahre Kunstgeschichte und künstlerisches Selbstverständnis spannt. Nicht nur der Titel dieser enorme Leinwand, sondern vor allem die rätselhafte, entrückt in die Ferne schweifende Gestalt und das ikonische Bildelement des achtflächigen Polyeders sind eindeutige Dürer-Verweise. Baselitz bezieht sich damit auf den Urvater des künstlerischen Geniekultes, den Renaissance Künstler Albrecht Dürer und dessen technisch meisterhaften und inhaltlich hochkomplexen Kupferstich "Melencolia I" aus dem Jahr 1514. Dürers „Melencolia I“ ist eine Ikone der abendländischen Kunstgeschichte und eines der bekanntesten Kunstwerke weltweit, seine technische Perfektion und seine rätselhafte Darstellung fesseln bis heute, weshalb es als das am meisten besprochene und kommentierte Werk der Kunstgeschichte gilt. Auch Baselitz, der selbst eine umfassende Sammlung von Altmeister Druckgraphiken zusammengetragen und deren komplexe Motivik immer wieder erfolgreich als Inspirationsquelle für seine eigene Malerei genutzt hat, sucht die intensive Auseinandersetzung mit Dürers berühmtem Meisterstich. Dürer war Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker und beginnt sein Kunstschaffen ganz im Sinne der Renaissance nicht mehr allein als das Ergebnis eines handwerklichen Schaffensprozesses, sondern als die Essenz eines intensiven intellektuellen Schöpfungsaktes zu begreifen. Der Künstler ist für ihn erstmals ein in besonderer Weise geistig Schaffender, der verschiedenste Wissensbereichen wie Anatomie, Geometrie und Perspektive beherrschen muss und in jeder Hinsicht belesen sein sollte. Das im Mittelalter noch negativ beurteilte menschliche Temperament des Melancholikers erfährt in der neuplatonischen Literatur der Renaissance, Bezug nehmend auf eine Passage in den "Problemata" des antiken Philosophen Aristoteles (4. Jh. v. Chr.), eine positive Umdeutung. Dürer setzt diese erstmals bildlich um, indem er seine "Melencolia I" durch die Vielzahl der beigegebenen Attribute als hochgradig intellektuell befähigtes Wesen und damit als umfassende Allegorie des Schöpferischen inszeniert. "Der im Mittelalter mit viel Skepsis betrachtete Melancholiker avancierte zur Genieklasse, der anzugehören sich viele, unter ihnen Dürer, Mühe gaben. Melancholie und Genialität bedingten sich nun wechselseitig. Mit Recht sprechen Forscher wie Schuster von einem 'versteckten Selbstbildnis' [..]" (R. Schoch/M. Mende/A. Scherbaum, Albrecht Dürer. Das druckgraphische Werk, Bd. 1, München 2001, S. 183).
Baselitz bezieht sich in „Enddesign“ also nicht nur auf das berühmteste Werk der Kunstgeschichte, sondern darüber hinaus auf das Kunstwerk, das als eine Art künstlerische Initialzündung des modernen künstlerischen Selbstverständnisses gilt, da es den Künstler erstmals als Intellektuellen oder gar als Genie begreift.
Die bildliche Rezeption von Dürers "Melencolia I" wird für das moderne künstlerische Selbstverständnis in entscheidender Weise initiierend. Unter anderem hat sich fast 300 Jahre später Caspar David Friedrich, und damit ein weiterer deutscher Ausnahmekünstler in seinem Holzschnitt der „Melancholie (Frau mit dem Spinnennetz zwischen kahlen Bäumen)“ (1803/04), welcher die künstlerische Grundstimmung der Romantik in einem einzelnen Blatt zusammenfasst, auf Dürer bezogen. Und 1998 hat Georg Baselitz sein auf Friedrich verweisendes, monumentales Gemälde „Friedrichs Melancholie“ für den Treppenaufgang des Berliner Reichstagsgebäudes, dem Sitz des Deutschen Bundestages, geschaffen und damit nicht nur sich selbst, sondern auch den beiden großen Meistern der deutschen Kunstgeschichte, Albrecht Dürer und Caspar David Friedrich, erstmals ein malerisches Denkmal gesetzt.
In „Enddesign“ ist Baselitz aber dreizehn Jahre später noch einen bedeutenden Schritt weiter gegangen, indem er seine Hommage an die beiden großen Meister der Kunstgeschichte noch mit seinen charakteristischen Remix-Elementen, kunsthistorischen Zitaten und Verweisen auf sein eigenes Werk, angereichert und damit dem Bogen meisterlich bis ins 21. Jahrhundert gespannt hat. Somit wirkt „Enddesign“ auf herausragende Weise wie die bildgewordene melancholisch-romantischen Grundstimmung, die Baselitz zum künstlerischen Prinzip seiner reifen Werkphase erklärt: „This idea of “looking toward the future” is nonsense. I realized that simply going backwards is better. You stand in the rear of the train—looking at the tracks flying back below—or you stand at the stern of a boat and look back—looking back at what’s gone.“
Georg Baselitz, zit. nach: Gagosian Gallery, New York (https://gagosian.com/artists/georg-baselitz/).
Entgegen seiner inhaltlichen Komplexität und Dichte fasziniert „Enddesign“ mit einer luftig leichten, spontan auf die Leinwand gesetzten Malerei, die zum einen das Ergebnis aus Baselitz konsequenter malerischer Entwicklung ist und zum anderen stilistische Verweise von Edward Munch über Willem de Kooning bis hin zu Tracey Emin in sich trägt. Zunächst hat Baselitz in kräftigen Pinselhieben frei angelegte Farbflächen auf die riesige, am Boden ausgebreitete Leinwand gesetzt und in einem zweiten Schritt eine äußerst feine, zeichnerisch angelegte Lineatur aus schwarzen Drippings darüber ausgebreitet, um den Farbflächen optisch Halt und Tiefe zu verleihen. Als Kenner und Überwinder der Tradition qualifiziert sich Baselitz demnach auch im technischen Bildaufbau, da er keineswegs zuerst die Kontur setzt, sondern bewusst gegenläufig agiert, um ein vollkommen neuartiges Bilderlebnis zu generieren. Seine herausragende malerische Qualität liegt drüber hinausin der Zweiteilung der Bildfläche und die spannungsvolle Verschiebung der Motivik begründet, die Baselitz aus seinen "Fraktur"-Zeichnungen der späten 1960er Jahre abgeleitet und spontan und malerisch ins Monumentale gesteigert hat.
Bereits 1995 zeigte das Solomon Guggenheim Museum, New York, und das Los Angeles County Museum die erste Baselitz-Retrospektive in Amerika. Fortan sollten zahlreiche große internationale Museumsausstellungen des deutschen Malers folgen, u.a. Fondation Beyeler, Basel (2018), Centre Pompidou, Paris (2021/22) sowie Kunsthistorischen Museum, Wien (2023). International wird Georg Baselitz heute von der Galerie Thaddeus Ropac, Paris, London, Salzburg, und von Gagosian, New York, London, Paris, vertreten. [JS]





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