126000028
Hermann Max Pechstein
Ostsee, 1922.
Oil on canvas
Estimate:
€ 250,000 - 350,000

 
$ 287,500 - 402,500

Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
126000028
Hermann Max Pechstein
Ostsee, 1922.
Oil on canvas
Estimate:
€ 250,000 - 350,000

 
$ 287,500 - 402,500

Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
 

Hermann Max Pechstein
1881 - 1955

Ostsee. 1922.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten monogrammiert (in Ligatur) und datiert. 63 x 78 cm (24,8 x 30,7 in).


• Seltene, stürmisch-expressive Ostsee-Landschaft von musealer Qualität.
• Die aufgewühlte Stimmung des Künstlers im Jahr 1922 spiegelt sich im Sujet des Gemäldes wieder: Trennung von seiner Ehefrau Lotte und Konflikte mit seinem Kunsthändler Wolfgang Gurlitt.
• Das Meer und maritime Sujets sind mit Pechsteins Œuvre untrennbar verbunden und charakterisieren sein gesamtes expressionistisches Schaffen.
• Seit nahezu 40 Jahren Teil einer Schweizer Privatsammlung.
• Pechsteins Gemälde der frühen 1920er Jahre befinden sich u. a. in der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, im Museum Folkwang, Essen, im Stedelijk Museum, Amsterdam, und im Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid
.

PROVENIENZ: Kunsthandel F. A. C. Prestel, Frankfurt am Main (seit spätestens 1966).
Privatsammlung Schweiz (1988 erworben, Sotheby's, München).

LITERATUR: Aya Soika, Max Pechstein. Das Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. 2: 1919-1954, München 2011, WVZ-Nr.1922/15 (m. Abb.).
- -
Weinmüller, Münchener Kunstversteigerungshaus Rudolf Neumeister, München, 102. Auktion, Moderne Kunst, 28.10.1966, Los 498 (m. Farbabb., Tafel 8).
Kunsthaus Lempertz, Köln, 607. Auktion, Kunst des XX. Jahrhunderts, 4./5.6.1985, Los 693 (mit dem Titel "Hafeneinfahrt von Leba", m. Farbabb., Tafel 8).
Sotheby's, München, Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts, 8.6.1988, Los 7 (m. Farbabb.).

Der Künstler und das Meer
Max Pechsteins gesamtes künstlerisches Schaffen ist besonders eng mit der See und dem maritimen Leben verbunden. Ob Mittelmeer, Pazifik, Nord- oder Ostsee – die Sommermonate verbringt der Künstler Zeit seines Lebens vor allem am Meer. 1909 reist er in das kleine Fischerdörfchen Nidden im damaligen Ostpreußen, lernt dort das einfache Leben der Fischer kennen und beginnt eine lebenslange Liebesbeziehung mit der Ostsee. In den darauffolgenden Jahren gehören deshalb Küstenlandschaften, Hafenansichten, Meeresstücke und Alltagsszenen der Fischer zu den Hauptmotiven seiner Arbeiten. Auch viele weitere Küstenregionen bereist Pechstein nun, zunächst Dangast an der Nordsee, den italienischen Fischerort Monterosso al Mare, die pazifische Inselgruppe Palau in der Südsee, in späteren Jahren auch die Ostsee-Inseln Usedom und Bornholm, die Kieler Bucht und die Nordsee-Insel Amrum. In den 1920er Jahren sind es insbesondere die Ostseebäder Leba und Rowe im damaligen Pommern, die Pechstein als große Inspirationsquelle und als Rückzugsort, als Gegenpol zur hektischen, überlaufenen Großstadt Berlin dienen: "Daß mich aber die Stadt bedrückt, und gelegentlich auch lähmt, will ich gern zugeben, ich brauche Luft, Himmel, weiten Blick um mich." (Pechstein in einem Brief an Walter Minnich, wohl März 1922, zit. nach: Ausst.-Kat. Hamburg 2017, S. 149).
Das Küstenstädtchen Leba hatte der Künstler ein Jahr zuvor als neues Sommerdomizil gewählt, in das er bis 1945 regelmäßig zurückkehren wird. Die von Touristen noch weitestgehend unentdeckte Natur, die beeindruckenden Gezeiten, den Rhythmus und das Rauschen des Meeres, die oftmals stürmischen, rauen Winde und die schier endlose Weite des Horizonts empfindet der Maler als Kraft spendend. In seinen ′Erinnerungen′ schreibt er rückblickend: "Ich lernte diese Küste nicht nur schätzen, sondern auch lieben. [...] Alles, was ich sah und um mich erlebte, wurde unerbittlich festgehalten und wie die erbeuteten Forellen, Lachse, Hechte und Aale nach Hause getragen. Ich erhielt dadurch eine Sicherheit, die mich nicht versinken ließ in dem Zusammenbruch nach dem Kriege." (Max Pechstein, Erinnerungen, Stuttgart 1993, S. 107f.)

Stürmische Zeiten
Auch das hier angebotene Gemälde "Ostsee" entsteht 1922 in Leba – ein Jahr nachdem er Marta Möller, die Tochter des dortigen Gastwirts, kennen und lieben lernt, die er wenig später, nach der Scheidung von seiner ersten Frau Charlotte Kaprolat, heiratet. Die stürmische See mag damals durchaus auch sein Inneres widergespiegelt haben: Zusätzlich zu seinen privaten Umbrüchen, belastet den Künstler in diesem Jahr auch das Zerwürfnis mit seinem Kunsthändler Wolfgang Gurlitt und daraus resultierende finanzielle Sorgen. Das Verhältnis zu Gurlitt endete genau im Entstehungsjahr 1922 mit einem Eklat, nachdem der Kunsthändler sich weigerte, bei ihm gelagerte Arbeiten Pechsteins an den Künstler herauszugeben. Erst im Rahmen einer gerichtlichen Einigung erhält Pechstein den Großteil seiner Arbeiten im März des darauffolgenden Jahres zurück.

Nachempfinden eines intensiven Naturerlebnisses
Die frühen 1920er Jahre kennzeichnen eine recht außergewöhnliche und sehr fruchtbare Schaffensphase. Insbesondere in den Landschaftsdarstellungen während seiner Ostsee-Aufenthalte erreicht der Künstler eine solch harmonische, starke Einheit von Form, Inhalt und Kolorit, mit der er ohne dramatische Überzeichnung seine tiefe Verbindung zur Natur meisterhaft zur Anschauung bringt (vgl. Ausst.-Kat. Max Pechstein im Brücke-Museum, München 2001, S. 19).
Anders als andere Gemälde dieser Jahre enthält "Ostsee" als bewegte Darstellung der aufgewühlten See eine ganz besondere Dynamik und Dramatik. Nicht das Leben der Fischer oder die Schönheit der Natur steht hier im Vordergrund. Stattdessen zeigt Pechstein ihre unbändige Kraft, die sich durch stürmische Winde aufbäumenden, brechenden und aufschäumenden Wellen und ermöglicht dem Betrachter so das Nachempfinden jener intensiven Naturerlebnisse, die ihn auf Leba selbst so sehr beeindruckten. Nah an das Ufer herangerückt, blickt der Betrachter über die stürmische See bis hin zum in ein sattes Rot getauchten Horizont, beobachtet die sich zum Hafen zurückkämpfenden Kähne, die im Begriff sind an der gefährlich nahen Kaimauer zu zerschellen, meint sogar, das grollende Meeresrauschen zu hören, den peitschenden Wind auf der Haut zu spüren und erkennt womöglich bald die eigene Nichtigkeit. Lediglich das Leuchtfeuer und die Steinmauern des Hafens im Vordergrund versichern dem Betrachter, dass er sich selbst nicht auf hoher See, sondern an Land und in Sicherheit befindet. Pechstein nimmt damit das insbesondere aus der deutschen Romantik bekannte ästhetische Konzept des Erhabenen, ein Gefühl von Ehrfurcht und Überwältigung angesichts unendlicher, gewaltiger Natur, und überträgt es in seine eigene expressionistische Bildsprache

Seine tief empfundenen Eindrücke hält der Künstler damals in Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden fest. Viele befinden sich heute in musealen Sammlungen, bspw. in der Stiftung Moritzburg in Halle/Saale, in der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, im Stedelijk Museum, Amsterdam, im Chrysler Museum of Art in Norfolk/Virginia, und im San Diego Museum of Art in Kalifornien. [CH]





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