126000920
Alexej von Jawlensky
Grosse Variation: Träumerei, 1916.
Oil
Estimate:
€ 90,000 - 120,000

 
$ 104,400 - 139,200

Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
126000920
Alexej von Jawlensky
Grosse Variation: Träumerei, 1916.
Oil
Estimate:
€ 90,000 - 120,000

 
$ 104,400 - 139,200

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Alexej von Jawlensky
1864 - 1941

Grosse Variation: Träumerei. 1916.
Öl auf leinenstrukturiertem Papier, auf Malpappe aufgezogen.
Links unten monogrammiert. Rechts unten datiert. Verso von Andreas Jawlensky datiert, betitelt und bezeichnet "Grosse Variationen No 12 1916 St. Prex Träumerei". 49 x 35 cm (19,2 x 13,7 in). [AW].

• Fein komponierte, kühltonige Variation von lichter Expressivität.
• Lebendiges Fensterbild: in Erinnerung an St. Prex, Jawlenskys schweizerisches Exil am Genfer See.
• Aus seiner wichtigen ersten Werkreihe, der auf dem internationalen Markt begehrten Serie "Variation über ein landschaftliches Thema"
.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Galerie Aenne Abels, Köln.
Thomas G. Newmann, Rye, New York.
Herbert Tannebaum Galerie, New York.
Privatsammlung New York.
Privatsammlung Süddeutschland (1995 vom Vorgenannten erworben, Grisebach).
Seitdem in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Galerie Aenne Abels, Köln, 3.-30.5.1959, Kat.-Nr. 17.
Alexej von Jawlensky. Eine Ausstellung zum 50. Todesjahr, Galerie Thomas, München, 29.11.1990-23.2.1991.
Alexej von Jawlensky und sein Kreis. Freunde, Kollegen, Stationen, Galerie Neher, Essen, 27.4.-29.6.1991, S. 36 (m. Farbabb. S. 37).

LITERATUR: Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky, Angelica Jawlensky, Alexej von Jawlensky. Catalogue Raisonné of the Oil Paintings, Bd. 2: 1914-1933, München 1992, WVZ-Nr. 837 (m. Farbabb. S. 140).
- -
Kunsthaus Math. Lempertz, Köln, 458. Auktion, 19.6.1959, Los 123 (m. Abb. Taf. 26).
Villa Grisebach, Berlin, 13. Auktion, 1.6.1990, Los 38 (m. Farbabb.).

"Ich fing an, meine sogenannten 'Variationen über ein landschaftliches Thema', die ich vom Fenster sah, zu malen [..]. In harter Arbeit und mit größter Spannung fand ich nach und nach die richtigen Farben und Formen, um auszudrücken, was mein geistiges Ich verlangte. Jeden Tag malte ich diese farbigen Variationen, immer inspiriert von der jeweiligen Naturstimmung zusammen mit meinem Geist." (Alexej von Jawlensky, Lebenserinnerungen, in: Clemens Weiler, Alexej Jawlensky. Köpfe, Gesichte, Meditationen, Hanau 1970, S. 116.)

Wie kaum ein anderer Künstler seiner Zeit strebt Alexej von Jawlensky durch die wiederholte Variation eines Motivs nach dessen Vervollkommnung aus unterschiedlichen zeitlichen und emotionalen Perspektiven. Davon zeugen sowohl die zahlreichen Meditationen in seinem Œuvre als auch die ab 1914 entstandene Werkgruppe der "Variationen über ein landschaftliches Thema", aus der die hier angebotene farbschöne Darstellung stammt.

Wie die Bezeichnung der Arbeit erkennen lässt, entsteht sie 1916 in Saint-Prex am Genfersee. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist Jawlensky als russischer Staatsangehöriger gezwungen, Deutschland zu verlassen. Durch die Vermittlung eines Freundes mietet er mit seiner Familie ein kleines Haus in dem beschaulichen Schweizer Örtchen Ausgehend vom Blick aus dem Fenster seiner beengten Unterkunft malt er die Landschaft in immer neuen Variationen, zumeist auf einem leinenstrukturierten Papier. Im Laufe der Jahre entwickelt Jawlensky das Motiv mit großer formaler und farblicher Vielfalt weiter. Dabei entfernt er sich zunehmend vom unmittelbar Gesehenen und von der Orientierung an realen Formen und Farben. Die natürliche Landschaft dient ihm als Vorwand, seine innere Landschaft auszudrücken. Dadurch erhalten die Variationen einen immer stärker werdenden abstrakten Charakter.

Über seine schwierige Situation im Exil berichtet Jawlensky rückblickend: "Ich hatte etwas Farbe aber keine Staffelei. Ich fuhr nach Lausanne, zwanzig Minuten mit der Eisenbahn, und kaufte bei einem Photographen eine kleine Staffelei für vier Franken, eine Staffelei, auf die der Photograph seine Fotos stellte. Diese Staffelei war gar nicht zum Malen geeignet, aber ich habe mehr als zwanzig Jahre meine besten Arbeiten auf dieser kleinen Staffelei gemalt." (zit. nach: C. Weiler, 1970, S. 116). Möglicherweise entsteht auch diese Variation auf jener Staffelei. Ihre besondere Ausdruckskraft beruht vor allem auf der überwiegend kühltonigen und fein komponierten Farbpalette. Gemeinsam mit der wirkungsvollen Anordnung der Formen verdeutlicht sie Jawlenskys Bestreben, Erinnerungen, Assoziationen und Empfindungen in einen kraftvollen künstlerischen Ausdruck zu überführen. [AW]





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