Sale: 612 / Evening Sale, Dec. 04. 2026 in Munich → Lot 126000893
126000893
Karl Schmidt-Rottluff
Fischer auf der Düne, 1921.
Oil on canvas
Estimate:
€ 400,000 - 600,000
$ 464,000 - 696,000
Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
126000893
Karl Schmidt-Rottluff
Fischer auf der Düne, 1921.
Oil on canvas
Estimate:
€ 400,000 - 600,000
$ 464,000 - 696,000
Information on buyer's premium, taxation and resale right compensation will be available four weeks before the auction.
Karl Schmidt-Rottluff
1884 - 1976
Fischer auf der Düne. 1921.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert. Verso auf dem Keilrahmen signiert, betitelt und mit der Werknummer "213" bezeichnet. Verso auf der partiell übermalten Leinwand nochmals mit der Werknummer bezeichnet. 87,5 x 100,5 cm (34,4 x 39,5 in). [CH].
• "Fischer auf der Düne": satte Farben, großzügige Flächenzonen und vereinfachte Formen.
• Ort der Inspiration: Zwischen 1920 und 1931 verbringt Schmidt-Rottluff die Sommermonate in Jershöft an der Ostsee.
• In der Betrachtung von Mensch und Natur findet der Künstler zu einem ganz neuen Vertrauen in die Farbe.
• Vergleichbare, von Jershöft inspirierte Gemälde des Künstlers befinden sich u. a. im Brücke-Museum Berlin, im Grand Rapids Art Museum, Michigan, in der Hamburger Kunsthalle und im Museum Folkwang, Essen.
• Einst über 65 Jahre Teil der herausragenden Sammlung Berthold und Else Beitz, Essen.
Das Werk ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin, dokumentiert.
PROVENIENZ: Sammlung Ferdinand Möller, Berlin (wohl 1922 direkt vom Künstler erworben).
Detroit Institute of Arts, Detroit/Michigan (im März 1938 als Leihgabe aus dem Eigentum des Vorgenannten in Verwahrung genommen, im Dezember 1940 Beschlagnahme als "Feindvermögen" durch den amerikanischen Staat).
US-amerikanisches Staatseigentum (1950-1957, Eigentumsübernahme der o. g. Beschlagnahme am 30.10.1950 durch "Vesting Order 15411" des Office of Alien Property beim Department of Justice).
Maria Möller-Garny, Köln (1957 durch "Rückkauf" vom amerikanischen Staat).
Angelika Fessler-Möller, Köln (von der Vorgenannten).
Sammlung Berthold und Else Beitz, Essen (1959 durch Vermittlung der Galerie Grosshennig, Düsseldorf, von Vorgenannter erworben, bis 2024 in Familienbesitz).
Sammlung Dietmar Manke, Schleswig-Holstein (1924 vom Vorgenannten erworben, Ketterer Kunst).
AUSSTELLUNG: Neue Kunst Hans Goltz, München (verso auf dem Keilrahmen mit einem fragmentarischen Etikett).
Wanderausstellung Schmidt-Rottluff, Galerie Möller, Berlin; Museum Danzig, Nov. 1928-März 1929 (jeweils ohne Katalog).
Karl Schmidt-Rottluff, Gemälde, Aquarelle, Graphik, Bernsteinschmuck, Kunstsammlungen der Stadt Königsberg / Kunstverein Königsberg, 30.12.1928-20.1.1929, Kat.-Nr. 18.
Kunstwerke aus drei Jahrtausenden gesammelt im Ruhrgebiet, Kunsthalle Recklinghausen, 16.5.-16.7.1963, Kat.-Nr. 212 (m. Abb.).
Pommersches Landesmuseum, Greifswald (Dauerleihgabe 2015-2024).
Zwei Männer – ein Meer. Pechstein und Schmidt-Rottluff an der Ostsee, Pommersches Landesmuseum, Greifswald, 29.3.-28.6.2015, Kat.-Nr. 9 (hier 1920 datiert, m. Abb., S. 81).
LITERATUR: Will Grohmann, Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, S. 266 (m. SW-Abb.) u. S. 292.
- -
Galerie Wilhelm Grosshennig (Hrsg.), 10 Jahre Kunsthandel in Düsseldorf 1951-1961, Düsseldorf 1961 (m. Abb. un. m. d. abweichenden Datierung "1920").
Eberhard Roters, Galerie Ferdinand Möller: die Geschichte einer Galerie für Moderne Kunst in Deutschland 1917-1956, Berlin 1984, S. 156 u. 226.
Katrin Engelhardt, Ferdinand Möller und seine Galerie. Ein Kunsthändler in Zeiten historischer Umbrüche, Diss. Hamburg 2013, https://ediss.sub.uni-hamburg.de/bitstream/ediss/5203/1/Dissertation.pdf, S. 122, Anm. 337 (aufgerufen 13.10.2026).
Ketterer Kunst, München, 560. Auktion, Evening Sale, 6.12.2024, Los 19 (m. Abb.).
ARCHIVALIEN (in Auswahl):
Karteikarte Kunstbestand Galerie Ferdinand Möller ("Fischer auf der Düne, Öl auf Leinwand" von Karl Schmidt-Rottluff), in: Karteikarten-Kästen, Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-KA-N/F.Möller-KK.
Geschäftliche Korrespondenz zwischen der Galerie Ferdinand Möller und den Kunstsammlungen der Freien Stadt Danzig, Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-GFM-C, II 1, 587f.
Geschäftliche Korrespondenz zwischen der Galerie Ferdinand Möller und Dr. Wilhelm Reinhold Valentiner, Direktor des Detroit Institute of Arts, Detroit (USA), Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-GFM-C, II 1,115 (u.a.).
Zollrechnung und Zollerklärung zur Einfuhr von 18 Ölgemälden der Galerie Ferdinand Möller an das Detroit Institut of Arts, 1938, Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-KA-N/F.Möller-66-M66,18-23.
Department of Justice, Office of Alien Property, Washington, D.C., und andere: Kaufvertrag zwischen dem Amt für ausländisches Eigentum des US-amerik. Justizministerium mit Maria Möller-Garny bezüglich des Rückerwerbs von 19 eingelagerten Gemälden beim Detroit Institute of Arts, Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-KA-N/F.Möller-68-M68,88-89.
"Nach dem Ersten Weltkrieg in den frühen 1920er Jahren [..] geht Schmidt-Rottluff einen Schritt weiter und lässt die Figuren [..] durch rhythmisierte Formen und über die Konturen hinausgehende Farbflächen mit der Landschaft untrennbar auf einer Ebene verschmelzen. So kommt er zu einem äußerst dichten Farbteppich, der belebt wird durch die Beweglichkeit der [..] Figuren, zackige Umrisse sowie die hier und dort aufleuchtenden, im Bild geschickt ineinander verwebenden Komplementär-Kontraste."
Roman Zieglgänsberger, Kustos für Klassische Moderne, Museum Wiesbaden, zit. nach: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Landschaft, Figur, Stillleben, Brücke-Museum Berlin, 2014/2015, S. 96.
1884 - 1976
Fischer auf der Düne. 1921.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert. Verso auf dem Keilrahmen signiert, betitelt und mit der Werknummer "213" bezeichnet. Verso auf der partiell übermalten Leinwand nochmals mit der Werknummer bezeichnet. 87,5 x 100,5 cm (34,4 x 39,5 in). [CH].
• "Fischer auf der Düne": satte Farben, großzügige Flächenzonen und vereinfachte Formen.
• Ort der Inspiration: Zwischen 1920 und 1931 verbringt Schmidt-Rottluff die Sommermonate in Jershöft an der Ostsee.
• In der Betrachtung von Mensch und Natur findet der Künstler zu einem ganz neuen Vertrauen in die Farbe.
• Vergleichbare, von Jershöft inspirierte Gemälde des Künstlers befinden sich u. a. im Brücke-Museum Berlin, im Grand Rapids Art Museum, Michigan, in der Hamburger Kunsthalle und im Museum Folkwang, Essen.
• Einst über 65 Jahre Teil der herausragenden Sammlung Berthold und Else Beitz, Essen.
Das Werk ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin, dokumentiert.
PROVENIENZ: Sammlung Ferdinand Möller, Berlin (wohl 1922 direkt vom Künstler erworben).
Detroit Institute of Arts, Detroit/Michigan (im März 1938 als Leihgabe aus dem Eigentum des Vorgenannten in Verwahrung genommen, im Dezember 1940 Beschlagnahme als "Feindvermögen" durch den amerikanischen Staat).
US-amerikanisches Staatseigentum (1950-1957, Eigentumsübernahme der o. g. Beschlagnahme am 30.10.1950 durch "Vesting Order 15411" des Office of Alien Property beim Department of Justice).
Maria Möller-Garny, Köln (1957 durch "Rückkauf" vom amerikanischen Staat).
Angelika Fessler-Möller, Köln (von der Vorgenannten).
Sammlung Berthold und Else Beitz, Essen (1959 durch Vermittlung der Galerie Grosshennig, Düsseldorf, von Vorgenannter erworben, bis 2024 in Familienbesitz).
Sammlung Dietmar Manke, Schleswig-Holstein (1924 vom Vorgenannten erworben, Ketterer Kunst).
AUSSTELLUNG: Neue Kunst Hans Goltz, München (verso auf dem Keilrahmen mit einem fragmentarischen Etikett).
Wanderausstellung Schmidt-Rottluff, Galerie Möller, Berlin; Museum Danzig, Nov. 1928-März 1929 (jeweils ohne Katalog).
Karl Schmidt-Rottluff, Gemälde, Aquarelle, Graphik, Bernsteinschmuck, Kunstsammlungen der Stadt Königsberg / Kunstverein Königsberg, 30.12.1928-20.1.1929, Kat.-Nr. 18.
Kunstwerke aus drei Jahrtausenden gesammelt im Ruhrgebiet, Kunsthalle Recklinghausen, 16.5.-16.7.1963, Kat.-Nr. 212 (m. Abb.).
Pommersches Landesmuseum, Greifswald (Dauerleihgabe 2015-2024).
Zwei Männer – ein Meer. Pechstein und Schmidt-Rottluff an der Ostsee, Pommersches Landesmuseum, Greifswald, 29.3.-28.6.2015, Kat.-Nr. 9 (hier 1920 datiert, m. Abb., S. 81).
LITERATUR: Will Grohmann, Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, S. 266 (m. SW-Abb.) u. S. 292.
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Galerie Wilhelm Grosshennig (Hrsg.), 10 Jahre Kunsthandel in Düsseldorf 1951-1961, Düsseldorf 1961 (m. Abb. un. m. d. abweichenden Datierung "1920").
Eberhard Roters, Galerie Ferdinand Möller: die Geschichte einer Galerie für Moderne Kunst in Deutschland 1917-1956, Berlin 1984, S. 156 u. 226.
Katrin Engelhardt, Ferdinand Möller und seine Galerie. Ein Kunsthändler in Zeiten historischer Umbrüche, Diss. Hamburg 2013, https://ediss.sub.uni-hamburg.de/bitstream/ediss/5203/1/Dissertation.pdf, S. 122, Anm. 337 (aufgerufen 13.10.2026).
Ketterer Kunst, München, 560. Auktion, Evening Sale, 6.12.2024, Los 19 (m. Abb.).
ARCHIVALIEN (in Auswahl):
Karteikarte Kunstbestand Galerie Ferdinand Möller ("Fischer auf der Düne, Öl auf Leinwand" von Karl Schmidt-Rottluff), in: Karteikarten-Kästen, Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-KA-N/F.Möller-KK.
Geschäftliche Korrespondenz zwischen der Galerie Ferdinand Möller und den Kunstsammlungen der Freien Stadt Danzig, Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-GFM-C, II 1, 587f.
Geschäftliche Korrespondenz zwischen der Galerie Ferdinand Möller und Dr. Wilhelm Reinhold Valentiner, Direktor des Detroit Institute of Arts, Detroit (USA), Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-GFM-C, II 1,115 (u.a.).
Zollrechnung und Zollerklärung zur Einfuhr von 18 Ölgemälden der Galerie Ferdinand Möller an das Detroit Institut of Arts, 1938, Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-KA-N/F.Möller-66-M66,18-23.
Department of Justice, Office of Alien Property, Washington, D.C., und andere: Kaufvertrag zwischen dem Amt für ausländisches Eigentum des US-amerik. Justizministerium mit Maria Möller-Garny bezüglich des Rückerwerbs von 19 eingelagerten Gemälden beim Detroit Institute of Arts, Berlinische Galerie Berlin, Nachlass Ferdinand Möller, BG-KA-N/F.Möller-68-M68,88-89.
"Nach dem Ersten Weltkrieg in den frühen 1920er Jahren [..] geht Schmidt-Rottluff einen Schritt weiter und lässt die Figuren [..] durch rhythmisierte Formen und über die Konturen hinausgehende Farbflächen mit der Landschaft untrennbar auf einer Ebene verschmelzen. So kommt er zu einem äußerst dichten Farbteppich, der belebt wird durch die Beweglichkeit der [..] Figuren, zackige Umrisse sowie die hier und dort aufleuchtenden, im Bild geschickt ineinander verwebenden Komplementär-Kontraste."
Roman Zieglgänsberger, Kustos für Klassische Moderne, Museum Wiesbaden, zit. nach: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Landschaft, Figur, Stillleben, Brücke-Museum Berlin, 2014/2015, S. 96.
Bedeutende Werke der Zwischenkriegsjahre in Museen und Institutionen
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs beginnt im Schaffen Karl Schmidt-Rottluffs eine besonders fruchtbare Zeit. Bis Mitte der 1920er Jahre entstehen eindrucksvolle Gemälde, von denen jedoch sehr viele durch die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs, durch Auslagerung, politische Willkür und Zerstörung, heute verloren sind. Die verbliebenen Gemälde zählen zu den Höhepunkten im Œuvre des Künstlers, wovon sich viele in bedeutenden deutschen und auch internationalen Museen befinden, darunter das Kunstmuseum Bern, das Buchheim Museum in Bernried, das Brücke-Museum, die Nationalgalerie und das Georg Kolbe Museum in Berlin, die Kunstsammlungen Chemnitz, das Museum Folkwang in Essen, das Kunstmuseum Gelsenkirchen, das Grand Rapids Art Museum (Michigan), die Hamburger Kunsthalle, das Sprengel Museum in Hannover, die Tate Gallery in London, die Pinakothek der Moderne der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München, die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, München/Berlin, das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster und das Museum Wiesbaden.
Insbesondere wird die in den Zwischenkriegsjahren entstehende Werkreihe der Arbeiter- und Handwerkerbilder heute zu den bedeutendsten Schöpfungen seines damaligen Schaffens gezählt.
Jershöft: Rückzugsort und Inspirationsquelle
Ab 1920 reist Karl Schmidt-Rottluff mit seiner Ehefrau Emy in den Sommermonaten erstmals in das ostpommersche Jershöft, in das sie in den darauffolgenden Jahren bis 1931 jährlich zurückkehren werden. Auf der Flucht vor der städtischen Betriebsamkeit genießen sie in dem vorwiegend bäuerlich geprägten Dorf mit etwa 300 Einwohnern die Stille und Einsamkeit, das einfache Leben und die weite, unbebaute Natur. Inmitten der damals turbulenten Umwälzungen und Geschehnisse hat das Ehepaar hier Zeit, um "endlich wieder zu sich zu kommen" (Schmidt-Rottluff in einem Brief an den Sammler Ernst Beyersdorff, 21.6.1920, zit. nach: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Expressiv – magisch – fremd, München 2018, S. 27).
Neben der erholsamen Ruhe ist die pommersche Landschaft für Schmidt-Rottluff eine bald unverzichtbare Quelle der Inspiration: "dies unbezeichenbare Blau der Luft ist schon eine große Erquickung und die klaren, gegeneinander abgesetzten Farben" (der Künstler in einem Brief an Ernst Beyersdorff, 22.6.1922, zit. nach: ebd.).
In Jershöft arbeitet Schmidt-Rottluff damals u. a. an einigen ausdrucksstarken Darstellungen arbeitender Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen, für die sich in der zeitgleichen deutschen Malerei keinerlei Entsprechungen finden.
"Die bevorzugten Motive, die Schmidt-Rottluffs Schaffen nun bis etwa 1924 bestimmen, gehen auf die Aufenthalte in Jershöft zurück. Bilder mit Arbeitern, Bauern oder Fischern folgen der Tendenz der Zeit, menschliches, gesellschaftliches und geistiges zu verschmelzen. [...] So wird nun der Mensch schlechthin bei der Verrichtung seiner täglichen Arbeit, bei der Ausübung seines Berufs eingefangen." (Magdalena M. Moeller, in: Magdalena M. Moeller, Karl Schmidt-Rottluff. Eine Monographie, München 2010, S. 67f.)
In Aquarellen, Zeichnungen, Postkarten und Gemälden thematisiert Schmidt-Rottluff ganz alltägliche, körperlich anstrengende Tätigkeiten der in Jershöft ansässigen Fischer: das Fischen und Angeln bei Wind und Wetter, das Abfahren und Anlanden der Boote, das Netzeflicken und Fischräuchern, Rudern, Treideln und Flößen, zudem entstehen zahlreiche Darstellungen aus dem Leben der Bauern und Handwerker. Das hier angebotene Gemälde "Fischer auf der Düne" gehört zu den stiltypischen Hauptwerken aus dieser Reihe der Arbeiter- und Handwerkerbilder, die Schmidt-Rottluff bis Mitte der 1920er Jahre hervorbringt.
Satte Farben, großzügige Flächenzonen und vereinfachte Formen: "Fischer auf der Düne"
1921 beginnt der Sommeraufenthalt in den ersten Junitagen und endet am 14. September mit der Rückreise nach Berlin. Im Zuge seiner Erlebnisse dieses Sommers entsteht "Fischer auf der Düne". Der Künstler blickt lediglich als stiller Beobachter auf die mehrfigurige, dynamische Szene, die meisten Figuren drehen ihm während ihrer Tätigkeit den Rücken zu. Zwar erzählt das Motiv von der harten Arbeit der Fischer, doch im Grunde geht es Schmidt-Rottluff um die Komposition, um aus kräftiger Farbigkeit entstehende Formen – um expressive Malerei.
Raffiniert unterteilt der Künstler die Bildfläche in drei auch farblich voneinander abgegrenzte Zonen: Dünen, Sand und innehaltende Figuren zur Rechten; eine aktiv-dynamische Zone des Arbeitens der Fischer, die er mit kräftigem Grüngelb markiert und die sich als Diagonale von der linken unteren Bildhälfte nach rechts oben ausbreitet; und schließlich das bewegte, strahlend-blaue Meer. Einige wenige Konturen sind in Schwarz angelegt und die Fischer und das Boot nehmen mitunter skulpturale Formen an. Die Figuren in der oberen rechten Bildecke und im linken unteren Bildteil schaffen eine Illusion von Räumlichkeit.
Reine, satte Farben von tiefer Leuchtkraft werden nebeneinandergesetzt. Sie verzahnen sich und rhythmisieren die Elemente des Bildes. Das intensive Orange, das tiefe Blau des Meeres und das leuchtende Grüngelb der vom Boot aufgewühlten See erzeugen einen kräftigen Farbklang. Mitunter scheinen sich die Formen sogar in der Farbfläche in eine nahezu farbliche Abstraktion aufzulösen.
"Die Monumentalität, die Kirchner schon in den frühen, 1906 auf Alsen geschaffenen Gemälden Schmidt-Rottluffs zu erkennen glaubte, [...] ist in allen diesen Werken wieder deutlich greifbar. Großzügige, vereinfacht wiedergegebene Formen und große Flächenzonen bestimmen den Charakter der Komposition. [...] Innerhalb der flächenbestimmenden Begrenzungen entwickelt die Farbe ein Eigenleben. Es sind immer wieder dieselben Töne, die nun bevorzugt eingesetzt und zu einem harmonischen Ganzen verschmolzen werden. Ein kräftiges Blau, ein olivfarbenes Ocker und ein Rotbraun dominieren. Die Figuren und Gegenstände nehmen mitunter willkürliche Formen an, die expressiv gesteigert sind [...]. [Schmidt-Rottluff] entwickelt in den Arbeiter-, Handwerker- und Fischerbildern eine farbige Flächenmalerei, die seiner Kunst neue Impulse verleiht. [...] Schmidt-Rottluff erreicht einen hohen Grad an formaler und farblicher Abstraktion, wobei er jedoch Bezug zur sichtbaren Wirklichkeit nicht verlässt" (Magdalena M. Moeller, in: Magdalena M. Moeller, Karl Schmidt-Rottluff. Eine Monographie, München 2010, S. 67f.) [CH]
Bewegte Provenienz
Wohl kurz nach der Entstehung erwirbt der Kunsthändler Ferdinand Möller das Gemälde. Möller, seines Zeichens Buchhändler, beginnt seine sagenhaft erfolgreiche Karriere 1912 in der berühmten Dresdner Galerie Arnold; der damalige Inhaber Ludwig Gutbier zeigt 1910 jene epochale Ausstellung der "Brücke"-Künstler. 1913 gründet Möller eine Filiale der Galerie Arnold in Breslau, um sich dann im Oktober 1918 in Berlin, Potsdamer Straße, selbstständig niederzulassen. Unter anderen vertritt Möller die Künstler der bereits aufgelösten Künstlergruppe "Brücke", Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff. Auch das Gemälde "Fischer auf der Düne" ist Teil des damaligen Galerie-Bestands.
Im Juli 1937 wird in München die historisch weitreichende NS-Propaganda-Ausstellung "Entartete Kunst“ eröffnet; die in den Museen beschlagnahmten Kunstwerke werden von Hitler am 1. Mai 1938 schlussendlich gesetzlich enteignet. Als Reaktion darauf versendet Möller 19 Werke, darunter auch "Fischer auf der Düne", als Leihgabe nach Detroit zu dem befreundeten Kunsthistoriker Wilhelm R. Valentiner. Valentiner ist seit 1924 Direktor des Detroit Institute of Arts und gibt 1920 die erste Monografie zum Schaffen Karl Schmidt-Rottluffs heraus. Durch den "Vesting Order" des Department of Justice, Office of Alien Property, vom 30. Oktober 1950 wird das Möller'sche Konvolut als "Feindvermögen“ beschlagnahmt und als Eigentum der US-amerikanischen Regierung übernommen. Nach langem und zähem Verhandeln – Ferdinand Möller ist im Januar 1956 verstorben – treffen im Januar 1958 schließlich 17 der ehemals als Leihgaben übersandten Gemälde wieder in Deutschland ein. Die zwei verbliebenen Gemälde, Wassily Kandinskys "Bild mit weißer Form" von 1913 und Lyonel Feiningers "Grüne Brücke" von 1916, gibt die Familie als Kompensation an das Detroit Institute of Arts und an das North Carolina Museum of Arts in Raleigh.
Schließlich vermittelt der aus Chemnitz stammende Kunsthändler Wilhelm Grosshennig das Gemälde "Fischer auf der Düne" an die bedeutende Sammlung Berthold und Else Beitz, Essen. Von dort aus gelangt das Werk schließlich in den Besitz des schleswig-holsteinischen Sammlers Dietmar Manke.
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs beginnt im Schaffen Karl Schmidt-Rottluffs eine besonders fruchtbare Zeit. Bis Mitte der 1920er Jahre entstehen eindrucksvolle Gemälde, von denen jedoch sehr viele durch die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs, durch Auslagerung, politische Willkür und Zerstörung, heute verloren sind. Die verbliebenen Gemälde zählen zu den Höhepunkten im Œuvre des Künstlers, wovon sich viele in bedeutenden deutschen und auch internationalen Museen befinden, darunter das Kunstmuseum Bern, das Buchheim Museum in Bernried, das Brücke-Museum, die Nationalgalerie und das Georg Kolbe Museum in Berlin, die Kunstsammlungen Chemnitz, das Museum Folkwang in Essen, das Kunstmuseum Gelsenkirchen, das Grand Rapids Art Museum (Michigan), die Hamburger Kunsthalle, das Sprengel Museum in Hannover, die Tate Gallery in London, die Pinakothek der Moderne der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München, die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, München/Berlin, das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster und das Museum Wiesbaden.
Insbesondere wird die in den Zwischenkriegsjahren entstehende Werkreihe der Arbeiter- und Handwerkerbilder heute zu den bedeutendsten Schöpfungen seines damaligen Schaffens gezählt.
Jershöft: Rückzugsort und Inspirationsquelle
Ab 1920 reist Karl Schmidt-Rottluff mit seiner Ehefrau Emy in den Sommermonaten erstmals in das ostpommersche Jershöft, in das sie in den darauffolgenden Jahren bis 1931 jährlich zurückkehren werden. Auf der Flucht vor der städtischen Betriebsamkeit genießen sie in dem vorwiegend bäuerlich geprägten Dorf mit etwa 300 Einwohnern die Stille und Einsamkeit, das einfache Leben und die weite, unbebaute Natur. Inmitten der damals turbulenten Umwälzungen und Geschehnisse hat das Ehepaar hier Zeit, um "endlich wieder zu sich zu kommen" (Schmidt-Rottluff in einem Brief an den Sammler Ernst Beyersdorff, 21.6.1920, zit. nach: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Expressiv – magisch – fremd, München 2018, S. 27).
Neben der erholsamen Ruhe ist die pommersche Landschaft für Schmidt-Rottluff eine bald unverzichtbare Quelle der Inspiration: "dies unbezeichenbare Blau der Luft ist schon eine große Erquickung und die klaren, gegeneinander abgesetzten Farben" (der Künstler in einem Brief an Ernst Beyersdorff, 22.6.1922, zit. nach: ebd.).
In Jershöft arbeitet Schmidt-Rottluff damals u. a. an einigen ausdrucksstarken Darstellungen arbeitender Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen, für die sich in der zeitgleichen deutschen Malerei keinerlei Entsprechungen finden.
"Die bevorzugten Motive, die Schmidt-Rottluffs Schaffen nun bis etwa 1924 bestimmen, gehen auf die Aufenthalte in Jershöft zurück. Bilder mit Arbeitern, Bauern oder Fischern folgen der Tendenz der Zeit, menschliches, gesellschaftliches und geistiges zu verschmelzen. [...] So wird nun der Mensch schlechthin bei der Verrichtung seiner täglichen Arbeit, bei der Ausübung seines Berufs eingefangen." (Magdalena M. Moeller, in: Magdalena M. Moeller, Karl Schmidt-Rottluff. Eine Monographie, München 2010, S. 67f.)
In Aquarellen, Zeichnungen, Postkarten und Gemälden thematisiert Schmidt-Rottluff ganz alltägliche, körperlich anstrengende Tätigkeiten der in Jershöft ansässigen Fischer: das Fischen und Angeln bei Wind und Wetter, das Abfahren und Anlanden der Boote, das Netzeflicken und Fischräuchern, Rudern, Treideln und Flößen, zudem entstehen zahlreiche Darstellungen aus dem Leben der Bauern und Handwerker. Das hier angebotene Gemälde "Fischer auf der Düne" gehört zu den stiltypischen Hauptwerken aus dieser Reihe der Arbeiter- und Handwerkerbilder, die Schmidt-Rottluff bis Mitte der 1920er Jahre hervorbringt.
Satte Farben, großzügige Flächenzonen und vereinfachte Formen: "Fischer auf der Düne"
1921 beginnt der Sommeraufenthalt in den ersten Junitagen und endet am 14. September mit der Rückreise nach Berlin. Im Zuge seiner Erlebnisse dieses Sommers entsteht "Fischer auf der Düne". Der Künstler blickt lediglich als stiller Beobachter auf die mehrfigurige, dynamische Szene, die meisten Figuren drehen ihm während ihrer Tätigkeit den Rücken zu. Zwar erzählt das Motiv von der harten Arbeit der Fischer, doch im Grunde geht es Schmidt-Rottluff um die Komposition, um aus kräftiger Farbigkeit entstehende Formen – um expressive Malerei.
Raffiniert unterteilt der Künstler die Bildfläche in drei auch farblich voneinander abgegrenzte Zonen: Dünen, Sand und innehaltende Figuren zur Rechten; eine aktiv-dynamische Zone des Arbeitens der Fischer, die er mit kräftigem Grüngelb markiert und die sich als Diagonale von der linken unteren Bildhälfte nach rechts oben ausbreitet; und schließlich das bewegte, strahlend-blaue Meer. Einige wenige Konturen sind in Schwarz angelegt und die Fischer und das Boot nehmen mitunter skulpturale Formen an. Die Figuren in der oberen rechten Bildecke und im linken unteren Bildteil schaffen eine Illusion von Räumlichkeit.
Reine, satte Farben von tiefer Leuchtkraft werden nebeneinandergesetzt. Sie verzahnen sich und rhythmisieren die Elemente des Bildes. Das intensive Orange, das tiefe Blau des Meeres und das leuchtende Grüngelb der vom Boot aufgewühlten See erzeugen einen kräftigen Farbklang. Mitunter scheinen sich die Formen sogar in der Farbfläche in eine nahezu farbliche Abstraktion aufzulösen.
"Die Monumentalität, die Kirchner schon in den frühen, 1906 auf Alsen geschaffenen Gemälden Schmidt-Rottluffs zu erkennen glaubte, [...] ist in allen diesen Werken wieder deutlich greifbar. Großzügige, vereinfacht wiedergegebene Formen und große Flächenzonen bestimmen den Charakter der Komposition. [...] Innerhalb der flächenbestimmenden Begrenzungen entwickelt die Farbe ein Eigenleben. Es sind immer wieder dieselben Töne, die nun bevorzugt eingesetzt und zu einem harmonischen Ganzen verschmolzen werden. Ein kräftiges Blau, ein olivfarbenes Ocker und ein Rotbraun dominieren. Die Figuren und Gegenstände nehmen mitunter willkürliche Formen an, die expressiv gesteigert sind [...]. [Schmidt-Rottluff] entwickelt in den Arbeiter-, Handwerker- und Fischerbildern eine farbige Flächenmalerei, die seiner Kunst neue Impulse verleiht. [...] Schmidt-Rottluff erreicht einen hohen Grad an formaler und farblicher Abstraktion, wobei er jedoch Bezug zur sichtbaren Wirklichkeit nicht verlässt" (Magdalena M. Moeller, in: Magdalena M. Moeller, Karl Schmidt-Rottluff. Eine Monographie, München 2010, S. 67f.) [CH]
Bewegte Provenienz
Wohl kurz nach der Entstehung erwirbt der Kunsthändler Ferdinand Möller das Gemälde. Möller, seines Zeichens Buchhändler, beginnt seine sagenhaft erfolgreiche Karriere 1912 in der berühmten Dresdner Galerie Arnold; der damalige Inhaber Ludwig Gutbier zeigt 1910 jene epochale Ausstellung der "Brücke"-Künstler. 1913 gründet Möller eine Filiale der Galerie Arnold in Breslau, um sich dann im Oktober 1918 in Berlin, Potsdamer Straße, selbstständig niederzulassen. Unter anderen vertritt Möller die Künstler der bereits aufgelösten Künstlergruppe "Brücke", Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff. Auch das Gemälde "Fischer auf der Düne" ist Teil des damaligen Galerie-Bestands.
Im Juli 1937 wird in München die historisch weitreichende NS-Propaganda-Ausstellung "Entartete Kunst“ eröffnet; die in den Museen beschlagnahmten Kunstwerke werden von Hitler am 1. Mai 1938 schlussendlich gesetzlich enteignet. Als Reaktion darauf versendet Möller 19 Werke, darunter auch "Fischer auf der Düne", als Leihgabe nach Detroit zu dem befreundeten Kunsthistoriker Wilhelm R. Valentiner. Valentiner ist seit 1924 Direktor des Detroit Institute of Arts und gibt 1920 die erste Monografie zum Schaffen Karl Schmidt-Rottluffs heraus. Durch den "Vesting Order" des Department of Justice, Office of Alien Property, vom 30. Oktober 1950 wird das Möller'sche Konvolut als "Feindvermögen“ beschlagnahmt und als Eigentum der US-amerikanischen Regierung übernommen. Nach langem und zähem Verhandeln – Ferdinand Möller ist im Januar 1956 verstorben – treffen im Januar 1958 schließlich 17 der ehemals als Leihgaben übersandten Gemälde wieder in Deutschland ein. Die zwei verbliebenen Gemälde, Wassily Kandinskys "Bild mit weißer Form" von 1913 und Lyonel Feiningers "Grüne Brücke" von 1916, gibt die Familie als Kompensation an das Detroit Institute of Arts und an das North Carolina Museum of Arts in Raleigh.
Schließlich vermittelt der aus Chemnitz stammende Kunsthändler Wilhelm Grosshennig das Gemälde "Fischer auf der Düne" an die bedeutende Sammlung Berthold und Else Beitz, Essen. Von dort aus gelangt das Werk schließlich in den Besitz des schleswig-holsteinischen Sammlers Dietmar Manke.
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