Sale: 500 / Evening Sale, July 17. 2020 in Munich Lot 120000906

 
120000906
Sigmar Polke
Ohne Titel (Würfel), 1985.
Mixed media
Estimate:
€ 500,000 - 700,000

 
$ 570,000 - 798,000

+
Lot description
Ohne Titel (Würfel). 1985.
Mischtechnik. Dispersion auf Stoff.
Verso signiert sowie auf dem Keilrahmen nochmals signiert und datiert. 180,4 x 149,7 cm (71 x 58,9 in).

• Herausragendes Beispiel für Polkes virtuose Antikunst
• Aus der Werkgruppe der großformatigen Stoffbilder
• Weitere Stoffbilder der 1980/90er Jahre befinden sich in bedeutenden internationalen Museen, wie u. a. im Museum of Modern Art, New York, im Museum of Contemporary Art, Chicago, und im Musée d’Art Moderne, Paris
• Polkes vielschichtiges Gesamtwerk wurde 2014 mit einer großen Retrospektive im Museum of Modern Art, New York, und der Tate Modern, London, geehrt
• Charakteristisches großformatiges Gemälde mit geschlossener Provenienz
.

PROVENIENZ: Galerie Schmela, Berlin (direkt vom Künstler erworben).
Privatsammlung Deutschland (2004 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Sigmar Polke: Transit, Schwerin, Staatliches Museum Schwerin, Oktober - Dezember 1996, S. 4, mit Abb. (im Atelier des Künstlers), und S. 110, mit Abb.
Sigmar Polke: Alchemist, Astrup Fearnley Museum of Modern Art, Oslo, und Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Januar - Juli 2001, S. 76, Nr. 33, mit Abb.

"Sigmar Polke ist ohne Zweifel eine der herausragenden Künstlergestalten der Gegenwart. Die New York Times vermutete, er sei womöglich noch einflussreicher als die US-amerikanischen Nachkriegstitanen Andy Warhol, Jasper Johns oder Robert Rauschenberg. Das Museum of Modern Art in New York pries ihn als einen der 'wichtigsten und größten Künstler des 20. Jahrhunderts'."
Die Zeit, 3. April 2019, zit. nach: www.zeit.de/2019/15/sigmar-polke-maler-hoehere-wesen-befahlen



Essay
Höhere Wesen befahlen, rechte obere Ecke schwarz malen! - Polke als Schöpfer einer feinsinnigen Antikunst

Als bekanntestes Werk Sigmar Polkes gilt das 1969 geschaffene Gemälde "Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!" (Sammlung Froehlich, Stuttgart). Diese Arbeit, die bereits durch ihren ironisch-witzigen Titel zu provozieren wusste, gilt heute als eines der Schlüsselwerke deutscher Nachkriegskunst. Zugleich kann das Gemälde als programmatisch für das gesamte künstlerische Schaffen des 2010 verstorbenen Künstlers gelten, der sich den kritisch-ironischen Umgang mit künstlerischen Konventionen und der abstrakten Malerei, wie sie damals in Westdeutschland noch immer vorherrschend war, immer wieder auf besonders feinsinnige und humorvolle Weise zu eigen gemacht hat. Polkes einzigartiges Schaffen sucht zudem stets den kreativen Umgang mit den unterschiedlichsten Techniken, die er frei jeder künstlerischen Konvention auf virtuose Weise miteinander kombiniert. Malerei, Fotografie, Druckgrafik und Trouvaillen einer biedermeierlichen westdeutschen Alltagskultur gehen dabei eine facettenreiche Symbiose ein. Peter Klaus Schuster und Wenzel Jacob haben Polkes vielschichtiges Spiel mit kunsthistorischen Traditionen und künstlerischen Mehrdeutigkeiten, das sich gekonnt jeder kunsthistorischen Einordnung entzieht, folgendermaßen umschrieben: "Polke ist ein Spieler. Nichts ist ihm fremder als plakative Eindeutigkeit. Er spielt mit Bedeutungen, mit Worten, mit Kategorien. Er liebt die literarische und kunsthistorische Anspielung ebenso wie die zeitgeschichtliche. Er vereint völlig unterschiedliche Bildinhalte und stiftet dadurch auf den ersten Blick absurde, häufig aber auch tiefere Sinnzusammenhänge. Auch bei der Materialwahl zeichnet sich Polke durch Experimentierfreudigkeit aus: Neben Leinwänden dienen ihm Stoffdecken, Dekorationsstoffe und transparente Kunststoffgewebe als Malgründe [..] Das Werk Sigmar Polkes, geprägt von Ironie und klugem Witz, ist von herausragender Bedeutung." (zit. nach: Sigmar Polke. Die drei Lügen der Malerei, Ausst.-Kat. Bonn/Berlin 1997, S. 8).
Die Dinge sehen wie sie sind - Polkes Stoffgemälde und das virtuose Spiel mit gewohnten Wahrnehmungsprozessen

"Die Dinge sehen, wie sie sind" lautet ein Bildtitel Polkes aus dem Jahr 1991, der bezeichnenderweis im Bild spiegelverkehrt erscheint. Nicht zufällig hatten die Ausstellungsmacher der ersten großen posthumen Retrospektive "Alibis. Sigmar Polke", die 2014 im Museum of Modern Art, New York, und in der Tate Modern, London, zu sehen war, diese alles Offensichtliche in Frage stellende Arbeit an den Anfang der umfassenden Werkschau gerückt. In seinen großformatigen und zunehmend abstrakter werdenden Stoffgemälden der 1980er Jahre, zu denen auch "Ohne Titel (Würfel)" zählt, irritiert Polke durch die vollkommen neuartige Kombination kunstferner Materialien unsere gewohnten Wahrnehmungsprozesse. Bereits durch die Verwendung eines industriell gefertigten, bunt gemusterten Stoffgewebes als Bildträger in Kombination mit dem in weiten Teilen zufällig geformten Farbverlauf des darüber gesetzten weißen Drippings hinterfragt Polke unsere überkommenen Vorstellungen von Kunst und Künstler. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass der als Hintergrund gewählte Stoff eine Vielzahl bunter Würfel zeigt und damit noch einmal das Element des Zufälligen in den Blickpunkt des Betrachters rückt. Polke lässt gekonnt die Grenzen zwischen der maximal reduzierten künstlerischen Geste und der industriell gefertigten Form des Bildgrundes verschwimmen. Auf diese Weise demonstriert er nicht nur seine einzigartige künstlerische Innovationskraft, sondern darüber hinaus den autoreferenziellen Ansatz seines gesamten künstlerischen Schaffens, wie er bereits für "Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!" von zentraler Bedeutung ist. Weitere großformatige Stoffbilder der 1980er und 1990er Jahre befinden sich heute in
bedeutenden internationalen Museen, wie u. a. im Museum of Modern Art, New York, im Museum of Contemporary Art, Chicago, und im Musée d’Art Moderne, Paris.

Kunst ohne Aura - Zur kunsthistorischen Bedeutung von Polkes Werk
Polkes Kunst bleibt bis an sein Lebensende getragen von theoretischen Überlegungen zur Autorschaft und Aura des Kunstwerkes, die er immer wieder aufs Neue bildlich zu hinterfragen weiß. Darin, dass Polke das Kunstwerk weitestgehend von Aura und Pathos befreit, liegt sein entscheidender kunsthistorischer Beitrag, der gerade sein späteres Schaffen deutlich von dem seines Studienkollegen und künstlerischen Weggefährten Gerhard Richter unterscheidet. Nach gemeinsamen Anfängen in den 1960er Jahren haben beide Künstler ihre eigenen, unverwechselbaren künstlerischen Wege beschritten, die sie jedoch schließlich beide zu internationalen Superstars der deutschen Kunst machen sollten. [JS]
 


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