Sale: 521 / Rare Books, Nov. 29. 2021 in Hamburg Lot 421000419

 
421000419
Antoine Verard
Stundenbuch-Druck auf Pergament, 1488.
Incunabulum
Estimate: € 30,000 / $ 34,800
+
Lot description
Rarissimum

Stundenbuch
Horae ad usum Romanum (Almanach 1488-1508). Gedrucktes Stundenbuch auf Pergament. Paris, [Etienne Jehannot für] Antoine Vérard [um 1488/89].

- Sehr früher und höchst seltener Stundenbuch-Druck des berühmten Pariser Verlegers Antoine Vérard
- Rarissimum, eines von 4 bekannten Exemplaren (davon 3 unvollständig)
- Illustriert mit großen Holzschnitten nach dem Meister der Grandes Heures
- Illuminiertes Exemplar
- Mit Bildnisminiatur des adeligen Auftraggebers, möglicherweise vom Meister der Dedikationsminiaturen Vérards
- Aus der Sammlung Henry-August Brölemann


Der Pariser Verleger und Buchhändler Antoine Vérard gilt als der König der Pariser Buchkunst um 1500. Er war neben Jean Dupré der erste Drucker von Stundenbüchern, eine der lukrativsten Sparten im französischen Buchdruck. Möglicherweise unterhielt Vérard auch ein eigenes Maleratelier, denn Farbigkeit war ein Kennzeichen der wertvollen Stundenbuch-Handschriften und wurde von den Käufern auch für die Drucke gewünscht. Die recht freie Illuminierung der Holz- und Metallschnitte, bis hin zur vollständigen Übermalung mit anderen Motiven, war darum nicht ungewöhnlich. So wurden in dem vorliegenden Exemplar die Darstellung Erschaffung der Eva auf Bl. 8v mit dem Bildnis des adeligen Auftraggebers übermalt, der in goldener Ritterrüstung kniend vor dem aufgeschlagenen Stundenbuch betet. Möglicherweise stammt dieses Stifterbildnis vom Meister der Dedikationsminiaturen Vérards (vgl. Tenschert/Nettekoven IV, S. 1416). Ein ähnliches Bildnis findet sich im Vérard-Druck der Slg. Schäfer (Nr. 162), dort ein Bildnis des betenden Duc d'Orléans, ebenfalls in goldener Rüstung. Die Illuminierung der Heimsuchung auf Bl. a5 ändert Kostüme und landschaftlichen Hintergrund und fügt Architektur-Elemente ein. Auch die Wiederholung des Holzschnitts auf Bl. b3 wurde abweichend gestaltet. Auffallend ist die meist kräftige und plastische Modellierung der Gesichter, so etwa bei dem Holzschnitt Tod mit Papst auf Bl. f7v, wo der Miniaturist, im Unterschied zum Exemplar der Slg. Bibermühle, noch zwei weitere Gesichter im Gefolge des Papstes miteingefügt hat.
Neben den großen Holzschnitten und den Kleinbildern ist vor allem der Bordürenschmuck mit den Darstellungen der Sibyllen von besonderer Bedeutung. "Offenbar verfügt Vérard zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht über volle Serien mit erzählenden Bordürenzyklen. In der vorliegenden Ausgabe schmückt er die Mehrzahl der Außenbordüren und der Bas-de-page mit Darstellungen von Sibyllen. Die dazugehörigen Prophezeiungen und Verwirklichungen im Neuen Testament werden durch die Beischriften sowohl auf Latein als auch auf Französisch in den Schriftfeldern erläutert" (Tenschert/Nettekoven).

EINBAND: Gefleckter Lederband des 18. Jahrhunderts mit zwei Rückenschildern und Rückenvergoldung, in Lederschuber. 19,5 : 12 cm. - ILLUSTRATION: Mit 14 (st. 20) großen Holzschnitten, davon 11 koloriert bzw. illuminiert, und 37 Kleinbildern in Holz- oder Metallschnitt sowie kolorierter Metallschnitt-Druckermarke am Ende. Jede Seite eingefaßt mit figürlichen Holzschnitt-Bordüren, davon 12 koloriert. Ferner mit zahlreichen eingemalten Gold-Initialen auf roten, braunen und blauen Gründen sowie mit ähnlich gestalteten Zeilenfüllern. - KOLLATION: 105 (st. 120) Bll. Oktavlagen mit Bogensignaturen. 31 Zeilen, einspaltig, Kalender zweispaltig. Text durchgehend regliert. Gotische Bastarda. - ZUSTAND: Fehlen die Bll. b2, b4-5, c1, c4-5, d2 und die letzte Lage p (8 Bll.) mit den Holzschnitten Pfingsten, Geburt Christi, Anbetung der Könige, Darbringung im Tempel, Marienkrönung und der am Ende wiederholte Holzschnitt König David . - Leicht fleckig, letzte 2 Bll. mit Feuchtigkeitsspuren, 4 illuminierte Seiten etwas deutlicher fleckig und berieben, erstes Bl. recto mit Randeintrag "1488" und verso mit verwischtem Zeilenfüller; Kopfsteg tls. beschnitten. Einbandkanten etw. berieben, ob. Kap. lädiert. - PROVENIENZ: 1. Louis Poncet, Lyon (18. Jh.): Lateinischer Besitzeintrag in Rot im Unterrand auf dem letzten Bl. verso mit der Druckermarke.
2. Henri Auguste Brölemann, Lyon (1775-1854): Blau umrahmtes Etikett auf dem vord. Innendeckel, hs. numeriert "A 156".
3. Arthur Brölemann, Lyon (1826-1904), Enkel des vorigen: Gestochenes Wappen-Exlibris auf dem vord. Innendeckel.
4. Etienne Mallet, Lyon (1853-1929), Urgroßenkelin von H. A. Brölemann.
5. Sotheby's Cat. Collection H. A. Brölemann, 4.5.1926.
6. Dörling Antiquariat 11.7.1974.
7. Klaus Dieter Dahmen (1934-2020): Exlibris auf dem vord. Innendeckel.

LITERATUR: GW 13296. - Winn H-10. - Tenschert/Nettekoven IV, Delta. - Goff H 373. - Bohatta 515. - Claudin II, 397. - Silvestre 36 (Druckermarke). - Catalogue des manuscrites & livres rares de la bibliothèque d'Arthur Brölemann . Nr. 124.

Very early and extremely rare Book of Hours by the famous Parisian publisher Antoine Vérard. Printed on vellum. Rarissimum, one of 4 known copies (3 of them incomplete). Illuminated copy, with painted portrait of the noble patron in in golden knight's armour. From the Henry-August Brölemann Collection. With 14 (of 20) large woodcuts, 11 of which colored resp. illuminated, and 37 small cuts as well as colored printer's device at end. Each page with figured borders depicting mostly Sibyls, 12 of which colored. Throughout with painted gilt lombards on red, brown and blue grounds and with similar line-fillers. 18th cent. leather with gilt spine and 2 labels, in leather case. 19,5 : 12 cm. 105 (of 120) leaves. Lacking leaves b2, b4-5, c1, c4-5, d2 and the complete last quire p (8 leaves) with the large cuts Pentecost, Adoration of the Magi, Presentation in the Temple, Birth of Christ, Coronation of Mary and the repeated woodcut King David at the end. - Slightly stained, last 2 leaves with traces of damp, 4 illuminated leaves somewhat rubbed and browned, first leaf with marginal entry of the year "1488" and with blurred line-filler on verso; partly trimmed at head. Some rubbing to edges, upper spine end chipped. - Provenance: Louis Poncet, Lyon (18th cent.). Henri-Auguste Brölemann, later his grandson Arthur Brölemann (engr. bookplate). Ex libris K. D. Dahmen (since 1974).

 


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