Sale: 498 / Art of the 19th Century, July 18. 2020 in Munich Lot 583

 
583
Paul Schad-Rossa
Paradiesesgefilde, Um 1903.
Oil on canvas
Estimate:
€ 2,500 / $ 2,975
Sold:
€ 2,875 / $ 3.421

(incl. 25% surcharge)
Lot description
Paradiesesgefilde. Um 1903.
Oil on canvas.
Signed "Paul Schad-Rossa."in lower left. Verso of the strtecher with an old label with the artist's stamp, there inscribed "Paradiesesgefielde." and numbered "35.". 63 x 87 cm (24.8 x 34.2 in).
In original artist frame, monogrammed in left and right above the tulip's blossom.
• Very rare on the auction market
• Important representative of Art Nouveau and Symbolism whose work has been increasingly acknowldged over the past couple of years
• From the artistically significant time in Graz between 1900 and 1904.
.

We are grateful to Dr. Velten Wagner, diretcor of the museum Engen, for the kind support in cataloging this lot.

PROVENANCE: Private collection Southern Germany.

"Among his pictures, which absolutely were conceived as gems that adorned living spaces, works from the group of the 'Paradiese‘ (Paradises) are the most superb ones […], the his polychrome carved frames and the depictions complement each other; there is no other representative of Modernism who has taken frame art to such a high level“, Hermann Ubell, Paul Schad-Rossa und die Grazer Kunstbewegung, in: Die ZEIT, April 19, 1902

Essay
Einen Blick zwischen Realität und Imagination eröffnet Paul Schad-Rossa in dieser herbstlich anmutenden Landschaft im Abendlicht. Paradiesische Gefilde tauchen als Vorstellung bereits in der griechischen Mythologie auf, wo die von den Göttern Abgerufenen in der Unsterblichkeit in den elysischen Feldern leben. Auch die christliche Religion kennt das Paradies als Garten Eden, bevor Adam und Eva diesen für immer verlassen müssen. Dessen reale Existenz wird im Mittelalter vergeblich zu lokalisieren versucht, indem man beispielsweise den Ort der Paradiesflüsse nachzuverfolgen versucht. Als idyllischer und verborgen gelegener Ort hat sich diese Vorstellung bewahrt, stets verbunden mit dem Wissen um seine Unzugänglichkeit und Unerreichbarkeit.
Auch hier schlängelt sich ein ruhiger klarer Bach durch die in weichem Duktus wiedergegebene sanfte Lichtung, geschützt von Bäumen mit scheinbar paarweisen Baumkronen, umgeben von Bergen. Diese Art symbolischer Stimmungslandschaft erweckt mit der in sich ruhenden, unergründlichen Natur das „Heimweh nach dem Paradies“, in der die Wiederherstellung eines unschuldigen, harmonischen Urzustands gegenüber einer entzauberten, unkontrollierbaren Moderne noch möglich erscheint. Eine ähnliche Mystifikation der Natur hatte bereits in Richard Riemerschmidts bekanntem Werk „Garten Eden“ von 1896 (SKD Dresden, Kriegsverlust; zweite Version von 1900 in der Sammlung Barlow-Widmann, Dauerleihgabe in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München) stattgefunden. Für Schad-Rossa wird die Landschaft der Alpen zum Inbegriff einer paradiesischen Natur, als Garten Eden zum bedeutsamsten Motiv seiner Kunstauffassung, wie schon in seinem großformatigen Gemälde „Eden“ von 1899 (Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum).
Auf Bestreben von Wilhelm Gurlitt, Professor für Archäologie an der Universität Graz und Kurator am Museum Joanneum, kommt Schad-Rossa im Herbst 1900 nach Graz, um die dortige Kunstszene zu beleben. Gurlitt ist die prägende Figur bei der Förderung der sogenannten „Grazer Zeitkunst“. Als Bruder des Berliner Galeristen Fritz Gurlitt, Leiter des Steiermärkischen Kunstvereins und Kurator des Museum Joanneum, ist ihm wie Schad-Rossa daran gelegen, moderne Strömungen wie Jugendstil und Symbolismus als Gegenbewegung zu der akademischen Schwere des Historismus und der Oberflächlichkeit reiner Sinneswahrnehmungen von Naturalismus und Impressionismus zu etablieren. In seiner kurzen, künstlerisch jedoch progressivsten und produktivsten Grazer Zeit zwischen 1900 und 1904 schafft Schad-Rossa zahlreiche Werke unter Einbezug aktuellster künstlerischer Tendenzen: Mit der Idee einer alles umfassenden Kunst, die auch das Dekorative einschließt, entstehen Gemälde und Zeichnungen, aber auch Textilien und Rahmen, die mit dem jeweiligen Gemälde eine Einheit bilden. Deren bewegte, stilisierte Pflanzenornamentik sollen zur „Seelenbewegung“ durch Motiv und Farbigkeit des Gemäldes beitragen. Auch maltechnisch ist diese Periode geprägt von Experimentierfreudigkeit und Innovationsbestrebungen: Schad-Rossa versucht sich an neuen Farbmischungen und nutzt Petroleum-Farben, Seifen-, Ei- und Harztempera sowie fixierte Mineral-Farben. Die Dekorativität unseres Gemäldes unterstreicht er durch die reliefartige Bearbeitung der Grundierung mit dem fein gezahnten Spachtel im oberen Bereich und belebt so durch die mäandernden Bewegungen dessen Oberfläche. Wieder aufgenommen wird diese wellenartige Ornamentik im handgeschnitzten und in dunklem Grün über metallischen Pigmenten gefassten Rahmen. Sein innovatives Schaffen erfuhr zuletzt 2014 neue Würdigung und wissenschaftliche Aufarbeitung durch Ausstellungen und Kataloge von Dr. Velten Wagner, Städtisches Museum Engen, sowie Dr. Gudrun Danzer, Museum Joanneum; ein Forschungsprojekt an der Karl-Franzens-Universität Graz von Dr. Eva Klein widmete sich seiner Bedeutung für die „Grazer Zeitkunst“. [KT]
583
Paul Schad-Rossa
Paradiesesgefilde, Um 1903.
Oil on canvas
Estimate:
€ 2,500 / $ 2,975
Sold:
€ 2,875 / $ 3.421

(incl. 25% surcharge)